Das von der ukrainischen Regierung und Zivilgesellschaft laut verkündete Vorhaben eines NATO-Beitritts gründet auf einem tiefgreifenden Missverständnis. Das berichtete das Focus-Magazin am Samstag in seiner Onlineausgabe.

 

„In den letzten beiden Jahren hat die öffentliche Meinung in der Ukraine eine Kehrtwende vollzogen: Aus der früheren mehrheitlichen Skepsis gegenüber dem Atlantischen Bündnis ist breite Zustimmung geworden.“ Bis 2013 seien etwa zwei Drittel der ukrainischen Bevölkerung strikt gegen eine NATO-Mitgliedschaft gewesen, heißt es in dem Beitrag.

 

Der Autor schreibt ferner, dass sich etwa die Hälfte der Ukrainer heute explizit für einen Bündnis-Beitritt ausspreche und weniger als ein Drittel dagegen sei. Kiew führe aktiv NATO-Standards in seiner Armee ein und dränge den Westen, der Ukraine endlich die Türen zur Allianz zu öffnen. Allerdings seien diese Hoffnungen dazu verdammt, unerfüllt zu bleiben, da der Westen heute selbst große Angst vor Russland habe.

 

„Sicherlich will kein NATO-Mitgliedsstaat den Ukrainern übel. Ebenso würden alle Regierungen des Bündnisses höhere Sicherheit in Osteuropa begrüßen. Dennoch wäre lediglich ein Teil der NATO-Mitgliedsstaaten bereit, die Verpflichtung zur militärischen Verteidigung postsowjetischer Republiken, die gegenwärtig nicht NATO-Mitglied sind, einzugehen“, schreibt das Magazin.

 

Die Ukraine wie auch die Kaukasusrepublik Georgien würden paradoxerweise erst dann der NATO beitreten können, wenn ihre Konfrontationen mit Russland beendet seien. Das bedeute, dass sie den Schutz der NATO aber nicht mehr benötigten, schlussfolgert der Autor.