Mit einem völligen Fehlschlag endete das Gipfeltreffen der OPEC in Doha. Die Teilnehmer des Treffens waren nicht in der Lage, eine Einigung über die Begrenzung des Umfangs der Erdölförderung zu erzielen.

 

Zuerst ging alles wie vorhergesehen. Führende Öl-Exporteure versammelten sich bereitwillig in der Hauptstadt von Katar zu einem Treffen, das von Saudi-Arabien, Kuwait, Russland und Venezuela initiiert wurde. Um die positiven Erwartungen vom Gipfel zu untermauern stimmte Saudi-Arabien sogar im Voraus mit Russland gemeinsame Positionen ab. Und plötzlich stellt sich am Tag des Gipfeltreffens heraus, dass die Saudis darum bitten, den Beginn des Gipfels zu verzögern. Daraus folgend begann die Begegnung sechs Stunden später und endete ergebnislos.

 

Dies könnte man als Misserfolg und einen Grund für einen deutlichen Rückgang der Preise sehen, wenn da nicht ein «aber» wäre. Die Araber haben nicht nur Öl, sie haben zudem noch Allah. Denn nur mit der Einmischung des Gnädigen und Barmherzigen können wir erklären, dass die um 8:45 Uhr geplante Begegnung des Gipfels nicht stattfand und bereits um 13:35 Uhr die Welt-Agenturen die frohe Botschaft über den Streik von Erdölarbeitern in Kuwait gebracht haben.

 

In Kuwait selbst, das offiziell ein Verbündeter des Königreichs Saudi-Arabien und Mitinitiator des Gipfels ist, in einem Land, wo es das letzte Vierteljahrhundert keine Streiks gab, wo seit 2012 ein Verbot für nicht genehmigte Versammlungen und Kundgebungen gilt, beginnt plötzlich ein Streik. Er endete nach drei Tagen ohne Ergebnisse, wenn man nicht gerade als Ergebnis einen stetig wachsenden Öl-Preis sieht und das nicht nur nach dem Scheitern des Gipfels, sondern auch nach dem Ende der Streiks.

 

Der Streik, von dem der Chef der Gewerkschaft der Erdölarbeiter offen und ehrlich sagte:

 

«Wir wollten nicht streiken, wir wurden gezwungen. Wir merken, dass hinter dieser Situation irgendeine Dritte Partei steht».

 

Und wenn das nicht Allah ist, dann wissen wir auch nicht wer.

 

So dass unsere frühere Annahme, dass die Ölpreise hauptsächlich mit Hilfe von Informations-Hebeln angepasst werden, vollständig gerechtfertigt ist. Und ob ein Hebel oder ein anderes Instrument verwendet wird, ist völlig nebensächlich. Wichtig ist, dass es funktioniert. Und es funktioniert, da das Barrel schon sicher die $45 überwand und weiter wächst. Am Vorabend des Gipfels, wenn ich mich richtig erinnere, kostete das Barrel $42,85 und nun, nach dem Scheitern des Gipfels, stieg der Preis auf seine heutige Höhe. Also, wir brauchen mehr solchen Scheitern.

 

Allmählich nähert sich der Preis zur oberen Grenze der vorausgesagten Spannweite von $42-$48. Also sind in den nächsten Tagen einige Nachrichten zu erwarten, die nicht zulassen werden, die obere Grenze dieser Spannweite zu überwinden, der dazu dienen sollte einerseits die erhöhte Produktion von US-Schieferöl zu verhindern und andererseits die Verluste wegen der Verringerung des Umsatzes zu minimieren.

 

Aus taktischer Sicht betrachtet entfesselten die Saudis und Verbündete ihren Krieg gegen das Schiefergas nicht rechtzeitig für Russland. Die Ukraine, die Krim, der Donbass und die Sanktionen, es wäre viel besser für Russland gewesen, diesen ganzen Weg bei $100 als bei $50 und weniger für Öl durchzugehen. Andererseits, strategisch die Schieferöl-Produktion zu ersticken, wäre sehr nützlich für Russland. Nicht nur aus kommerzieller Sicht, d.h. einen Konkurrenten zu schwächen oder ihn loszuwerden, sondern auch politisch.

 

Deshalb nimmt Russland ziemlich ruhig die Unentschlossenheit DER Saudis hin und gab dem Königreich Saudi-Arabien und seinen Verbündeten die Ehre ab, mit der US-Schiefer-Industrie zu kämpfen. Zumal das Preisniveau in der von uns vorhergesagten $42-$48 Spanne gar nicht schlecht aussieht im Vergleich zu den $28 die wir Anfang des Jahres gesehen haben. Und formale Vereinbarungen für die Regulierung der Preise werden früher oder später geschlossen werden.

 

Insgesamt war das Jahr 2015 für Russland ein «Saudi-Arabien-Jahr». Mohammed Ibn Salman, der Verteidigungsminister, der saudische Prinz und Sohn des Königs (es ist eine wichtige Klarstellung, da es in der KSA etwa siebentausend «normale» Prinzen gibt) besuchte Russland zweimal und jedes Mal traf er sich mit Putin. Und das Jahr endete mit einem Treffen von Putin und König Salman auf dem G20-Gipfel.

 

Ergebnis dieser Kontakte war die Unterzeichnung einer Reihe verführerischer Vereinbarungen, insbesondere über die saudischen Investitionen in Russland in der Höhe von $10 Mrd. Und gemäß der nach einem Jahr Verhandlungen abgeschlossenen Regierungsabkommen über die Zusammenarbeit im Bereich der Kernenergie wird für Russland die rechtliche Grundlage für den Export von Kernkraftwerken in die KSA mitpotenziellen Volumen von 100 Milliarden US-Dollar begründet.

 

Inzwischen sind es nicht mehr als kurzlebige Versprechungen. Jetzt versuchen die Saudis, sie als Köder zu verwenden um aus Russland Zugeständnisse zu Syrien rauszuholen. Aber die Situation rund um Saudi-Arabien, Syrien und den gesamten Nahen Osten verändert sich ständig. Und die Zwangslage, sich die Loyalität Russlands dringend zu erkaufen, kann in jedem Moment eintreffen. Dann können im Voraus vereinbarte Dokumente und ihre Verwirklichung nützlich sein.

 

Von Ilja Kozyrew

Quelle: www.nalin.ru

Übersetzung: fit4Russland