Nach ihren Erdogan-kritischen Äußerungen hat die niederländische Journalistin Ebru Umar 24 Stunden hinter Gittern verbracht und darf die Türkei vorerst nicht verlassen. In einem Interview für Sputniknews schildert sie ihre ersten Eindrücke nach der Freilassung.

 

„Das erinnert an einen schlechten Scherz! Und das alles ist mir ergangen. In der Türkei gibt es keine Pressefreiheit, und ein guter Beweis dafür ist die Situation, in die ich und auch viele andere Menschen in der Türkei geraten sind“, sagte sie.

 

Dabei sei sie nicht die Erste, die über dieses Thema spreche – es häuften sich Prozesse, bei denen zum heutigen Zeitpunkt ungefähr gegen 2.000 Pressemitarbeiter ermittelt werde.

 


​Auf die Frage, wie sie die Politik der europäischen Staaten einstufe, die trotz des repressiven Vorgehens der türkischen Regierung gegen oppositionelle Medien ihre Beziehungen mit Ankara stärken, antwortete Umar, dass in der Politik Opportunismus und Geld stets die wichtigste Rolle gespielt hätten.

 

Sie werde eine Berufung gegen den Beschluss des Gerichts einlegen und warte bereits auf ein Schreiben aus den Niederlanden, das ihr dabei helfen soll. Sie hoffe, dass das Ausreiseverbot bald aufgehoben werde und sie in die Niederlande zurückkehren könne.

 

„Ich fuhr gern in die Türkei. Mir gefiel es, hier zu sein. Aber jetzt hat sich die Situation verändert“, fügte sie hinzu.

 

Ebru Umar, eine „Metro“-Journalistin mit türkischer Abstammung, war nach eigenen Angaben in der Nacht zum Sonntag in ihrer Wohnung in der westlichen Küstenstadt Kusadasi von der Polizei festgenommen worden. Wie es nun zu ihrer Freilassung kam, ist bislang nicht bekannt.

 

Umar hatte zuvor für „Metro“ eine kritische Kolumne über Erdogan verfasst. Auszüge verbreitete sie auch über Twitter. In dem Text ging es unter anderem um eine E-Mail des türkischen Konsulats in Rotterdam an türkische Verbände und Organisationen in der Stadt, die darin aufgefordert wurden, jede mutmaßliche Beleidigung Erdogans an eine offizielle E-Mail-Adresse zu melden.