Die ausländischen Sponsoren der syrischen Opposition haben zu unterschiedliche Interessen. Dabei bemühen sich die USA vor allem um eine Eindämmung Russlands. Diesen Standpunkt vertritt der russische Nahost-Experte Jewgeni Satanowski.

 

Satanowski schreibt in einem Gastbeitrag für die russische Wochenzeitung „WPK“: „Der offizielle Verhandlungsprozess in Genf verläuft äußert langsam und bringt in nächster Zeit kaum bedeutende Ergebnisse. Es gibt zwei wichtigste Gründe dafür. Erstens kontrolliert die syrische Exil-Opposition, mit der in Genf verhandelt wird, keineswegs die bewaffneten Gruppen in Syrien und kann sie kaum beeinflussen (…) Zweitens ist die syrische Opposition gespalten, und zwar wegen der unterschiedlichen Interessen ihrer wichtigsten Sponsoren, zu denen die Türkei, Katar, Saudi-Arabien und die USA zählen.“

 

Nach Ansicht von Satanowski ist der aktuelle Kampf um Aleppo von maßgeblich wichtiger Bedeutung: Falls die syrischen Regierungstruppen die Stadt erobern, werden „alle Pläne der Regierungen in Ankara und Riad scheitern“. Der Experte erläutert, die Türkei habe in Sachen Syrien ohnehin bereits einen herben Rückschlag erlitten, denn ihre Idee einer Luftraumsperre über Syrien sei von den USA und der EU abgelehnt worden. Washington setze außerdem auf die syrischen Kurden, was den türkischen Plänen ebenfalls widerspreche.

 

Auch Saudi-Arabien habe viel zu verlieren: „Dieses Land hat schon zu viel Geld in den Syrien-Konflikt gesteckt – ohne Erfolg. Eine Niederlage in Sachen Syrien droht mit ersthaften Komplikationen innerhalb des saudischen Königsreichs – sowohl für König Salman als auch für seinen Sohn, der jetzt um die höchste Macht im Land kämpft (…) Dazu noch kommt das Risiko eines globalen ‚Gesichtsverlustes‘ im Nahen Osten.“

 

„Die USA haben andere Interessen, die in Syrien faktisch nur mit dem Versuch zusammenhängen, Russland als aufsteigenden geopolitischen Akteur einzudämmen. Die Figur von Präsident Assad ist für Washington eine sekundäre Frage“, so Satanowski.

 

Auch die Situation der Verbündeten wie Saudi-Arabien, Katar oder die Türkei sei für die USA offenbar nebensächlich: „Ein Beleg dafür ist Washingtons kühle Beziehung zu Erdogan, den man in der USA für einen gefährlichen Abenteurer hält, aber auch der Erfolg der ‚Saudi-Skeptiker‘ im US-Kongress, im Pentagon und in der CIA. Die Frage um die Offenlegung des bisher geheimen Teils des Berichts zu 9/11-Drahtziehern hat nicht zufällig eine Hysterie in den saudischen Führungskreisen ausgelöst.“

 

Satanowski schreibt, derzeit sei es für Washington am wichtigsten, Moskau an Vorteilen aus jenem strategischen Erfolg zu hindern, den die medienwirksame Eroberung von Palmyra demonstriert hatte. In diesem Zusammenhang seien auch die Gerüchte zu betrachten, wonach syrische Oppositionelle mit Boden-Luft-Raketen versorgt werden könnten.

 

„Im Weißen Haus wird über das weitere Vorgehen in Syrien diskutiert. Die Frage ist, ob man verhindern soll, dass das islamistische Segment der syrischen Opposition als zentralisierte Struktur endgültig zerschlagen wird. Oder sollten die USA stattdessen diese Zerschlagung instrumentalisieren und versuchen, das entstehende Vakuum mit US-loyalen Kräften zu füllen und das Gesicht dadurch zu bewahren?“, so der Kommentar.

 

Vorerst sehe es danach aus, dass Washington eher den zweiten Weg bevorzuge. Davon zeuge die aktive Militärausbildung syrischer Rebellen in Jordanien, aber auch die zunehmende Unterstützung für die Kurden durch Spezialkräfte, hieß es.

 
Quelle: Sputniknews