Zwei Jahre nach dem Massaker an Regierungsgegnern in Odessa warten laut Nationalistenchef Dmitri Jarosch überall in der Ukraine hunderte gewaltbereite Schläger nur auf den Befehl, wieder in die Schwarzmeerstadt zu fahren und den „prorussischen Kräften eine Abfuhr zu erteilen“. Für die Rechtsextremen sind Russland-Sympathisanten „Feinde“.

 

„Unsere Aktivisten und Krieger der Ukrainischen Freiwilligenarmee sind in voller Bereitschaft und jederzeit bereit, dem Feind eine Abfuhr zu erteilen“, erklärte Jarosch, einst Chef der paramilitärischen rechtsextremen Miliz „Rechter Sektor“, heute Parlaments-Abgeordneter und Leiter der Nationalistenbewegung „Staatsinitiative Jarosch“, am Mittwoch.

 

Ihm zufolge stehen Hunderte „nicht gleichgültige“ Nationalisten schon in den Startlöchern, um nach Odessa aufzubrechen. Regionale Filialen der Nationalistenbewegung in Lwiw, Ternopol, Wolhynien,  Chmelnizky und vielen weiteren Regionen hätten ihre Aktivisten mobilgemacht, so die Erklärung, aus der die Onlinezeitung Lenta.ru zitiert.

 

Jaroschs Nationalisten waren die treibende Kraft hinter dem ukrainischen Umsturz vom Februar 2014, dem sogenannten Maidan, bei dem der damalige Präsident Viktor Janukowitsch entmachtet und zur Flucht gezwungen wurde. Zweieinhalb Monate später, am 2. Mai 2014, kam es in der Schwarzmeerstadt Odessa zu Ausschreitungen zwischen Gegnern der neuen Kiewer Regierung und Schlägern des ultranationalistischen „Rechten Sektors“.

 

Die Rechtsextremen steckten ein Zeltlager in Brand, in dem Unterschriften für ein Referendum über die Zukunft des Gebiets Odessa gesammelt wurden. Mehrere Anti-Maidan-Aktivisten versteckten sich im benachbarten Gewerkschaftshaus. Die Polizei sah tatenlos zu, wie regierungstreue Nationalisten die Ausgänge versperrten und das Gebäude mit Molotow-Cocktails bewarfen.

 

48 Menschen verbrannten bei lebendigem Leibe oder starben beim Sprung aus dem Gebäude. Mehr als 200 weitere wurden verletzt. Aktivisten, denen die Flucht aus den Flammen gelang, wurden vor dem Gebäude brutal niedergeschlagen. Der damalige Gouverneur der ukrainischen Schwarzmeerregion verteidigte das Vorgehen der Rechtsextremen sogar als rechtmäßig. Eine unabhängige Ermittlung zu dem Branddrama hat es bis heute nicht gegeben.

 

Am 10. April dieses Jahres, als Odessa den 72. Jahrestag der Befreiung von der Nazi-Besatzung, feierte, kam es in der Stadt zu einer Massenschlägerei auf einer Gedenkveranstaltung. Anlass war ein Sankt-Georgs-Band, das von einem der Gedenkenden getragen wurde. Das Sankt-Georgs-Band gilt in Russland als Zeichen des Gedenkens an den Zweiten Weltkrieg.

 

Am 26. April kam es in Odessa zu Protesten gegen den Bürgermeister.  Daraufhin sandte Staatschef Petro Poroschenko auf Verlangen von Odessa-Gouverneur Michail Saakaschwili die Nationalgarde in die Stadt.

 

 

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