Nach Jan Böhmerman erlaubt sich nun auch ein EU-Parlamentarier Beleidigungen gegen Recep Erdogan. Martin Sonneborn hat in einer Rede im EU-Parlament den türkischen Staatschef als „Irren von Bosporus“ bezeichnet und dessen Empfindlichkeit gegen Kritik verspottet.
 

 
Seinen Redebeitrag veröffentlichte der Parlamentarier auf Youtube unter dem Titel „Schmutziges Türken-Bashing“. Darin wirft der ehemalige Chefredakteur der Satirezeitschrift „Titanic“ der Türkei unter anderem Völkermord an den Kurden vor.

 

„Der Irre vom Bosporus, wie wir den Irren vom Bosporus Erdogan liebevoll im EU-Parlament nennen, hat wieder zugeschlagen», sagte der Sonneborn zum Auftakt.

 

Dieses Mal habe Erdogan durch seine Botschafter die EU-Kommission angewiesen, die Förderung für ein Konzertprojekt der Dresdner Sinfoniker einzustellen. Dieses Konzertprojekt beschäftigt sich mit dem Genozid an den Armeniern zwischen 1915 und 1917.

 

Die Dresdner hatten massiven Druck der Türkei beklagt. Aber Sonneborn wäre nicht Sonneborn, wenn er keine Lösung für den Streit wüsste, schreibt die Hannoversche Allgemeine Zeitung.

 

„Als Mitglied des Kulturausschusses möchte ich einen Vorschlag zur Güte machen», sagte der Satiriker. «Ich empfehle den Dresdner Sinfonikern dringend, das Wort Genozid zu streichen und durch den Begriff Völkermord zu ersetzen.» Und Sonneborn fügte hinzu: «Ich bin Deutscher und mit Völkermord kennen wir uns aus.“

 

Der Politiker sagte weiter, er konstatiere „mit einer gewissen Verblüffung, dass uns die Türkei hier allmählich den Rang langsam abläuft.» Deshalb wolle er die türkische Regierung warnen, «den 100-jährigen Rhythmus, in dem sie offensichtlich Genozide zu begehen gedenkt, derzeit genügt ein Blick auf die Lage der Kurden, nicht zu beschleunigen. Sonst müssen wir darüber nachdenken, die Drecksarbeit mit unseren Flüchtlingen jemand anderem zu übertragen.»

 

Sonneborn weiter: „Nichts für ungut. Derzeit keine Türkei-Urlaube geplant.» Damit spielte er auf die Warnung des niederländischen Außenministers und auch des Auswärtigen Amtes an. So schrieb das Auswärtige Amt in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen für die Türkei: „Es wird dringend davon abgeraten, in der Öffentlichkeit politische Äußerungen gegen den türkischen Staat zu machen bzw. Sympathie mit terroristischen Organisationen zu bekunden.“