Am zweiten Jahrestag des Massakers von Odessa versammeln sich die Einwohner der Stadt am Platz Kulikowo Pole, wo es am 2. Mai 2014 zu Ausschreitungen und einem heftigen Brand im Gewerkschaftshaus gekommen war. Der Platz ist zurzeit wegen einer Bombendrohung gesperrt.

 

Um den Platz zu betreten und dort Blumen für die Opfer der Gewalttat niederzulegen, müssen die Einwohner von Odessa und Besucher der Stadt vor Metallsuchgeräten Schlange stehen. Die Sicherheitskräfte haben den Platz seit dem frühen Morgen wegen einer angeblichen Bombendrohung abgesperrt.

 

Zuvor war berichtet worden, dass Sondertrupps des ukrainischen Geheimdienstes SBU aus dem Kriegsgebiet Donbass in die Schwarzmeerstadt verlegt worden sind.

 

Der Eingang zum Platz Kulikowo Pole ist nur von einer Seite möglich. Der Platz wird von Polizisten, Einheiten der Nationalgarde und Freiwilligen-Verbänden überwacht.

 

Eine Trauerkundgebung für die Opfer ist für 14 Uhr Ortszeit (13 Uhr MESZ) geplant.

 

Am 2. Mai 2014 war es in der Schwarzmeerstadt Odessa zu Ausschreitungen zwischen Gegnern der damals neuen Kiewer Regierung und Schlägern der regierungsnahen Nationalisten-Miliz „Rechter Sektor“ gekommen.

 

Die Rechtsextremen steckten ein Zeltlager in Brand, in dem Unterschriften für ein Referendum über die Zukunft des Gebiets Odessa gesammelt wurden. Mehrere Anti-Maidan-Aktivisten suchten im benachbarten Gewerkschaftshaus Zuflucht. Die Polizei sah tatenlos zu, wie regierungstreue Nationalisten die Ausgänge blockierten und das Gebäude mit Molotow-Cocktails bewarfen.

 

48 Menschen verbrannten bei lebendigem Leibe oder starben beim Sprung aus den Fenstern des Gebäudes. Mehr als 200 Personen wurden verletzt. Aktivisten, denen die Flucht aus den Flammen gelang, wurden vor dem Gebäude brutal niedergeschlagen. Der damalige Gouverneur der ukrainischen Schwarzmeerregion verteidigte das Vorgehen der Rechtsextremen sogar als rechtmäßig. Eine unabhängige Ermittlung zu dem Branddrama hat es bis heute nicht gegeben.