Böhmermann spricht jetzt das erste Mal Klartext und macht der Kanzlerin schwere Vorwürfe. Bislang dachte Böhmermann, dass jeder Mensch in Deutschland gewisse Grundrechte hätte. Wenn es um die Meinungsfreiheit geht, darf die Bundeskanzlerin nicht wackeln, so Böhmermann.
 
ZDF-Moderator Jan Böhmermann hat in Affäre um das «Schmähgedicht» gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan scharfe Kritik an Bundeskanzlerin Angela Merkel geübt: «Die Bundeskanzlerin darf nicht wackeln, wenn es um die Meinungsfreiheit geht. Doch stattdessen hat sie mich filetiert, einem nervenkranken Despoten zum Tee serviert und einen deutschen Ai WeiWei aus mir gemacht», sagte Böhmermann im Interview mit der Wochenzeitung «Die Zeit».

 

Er fühle sich in seinem Glauben daran erschüttert, «dass jeder Mensch in Deutschland ein unverhandelbares, unveräußerliches Recht auf gewisse Grundrechte hat: die Freiheit der Kunst und die Freiheit der Meinungsäußerung“, sagte Böhmermann der «FAZ». Am allermeisten habe er sich über die Tatsache amüsiert, «dass die Chefin des Landes der Dichter und Denker offenbar nicht einen Moment über das Witzgedicht und besonders seine Einbindung nachgedacht hat, bevor sie sich mit ihrem öffentlichen Urteil blamiert hat“, zitiert die «FAZ» Jan Böhmermann.
 
In dem Fall geht es um eine Sendung, in der Böhmermann in einem etwa sechsminütigen Sketch mit dem Satiriker Ralf Kabelka zunächst den Unterschied zwischen in Deutschland erlaubter Satire und unerlaubter Schmähkritik diskutiert hatte.
 
Grund war ein satirischer Song aus der NDR-Sendung «Extra 3», der zur Einbestellung des deutschen Botschafters in der Türkei geführt hatte. Zur Anschauung trug Böhmermann schließlich ein knapp einminütiges «Schmähgedicht» vor, in dem der türkische Staatspräsident unter anderem als homosexuell und pädophil bezeichnet wird. Gleichzeitig wurden türkische Untertitel gezeigt. Merkel hatte das Gedicht als «bewusst verletzend» bezeichnet und diese Äußerung später einen Fehler genannt.

 

 

Quelle: Contra Magazin