Die Auflagen krachen weg! Bei Bild flüchteten drei Millionen, die FAZ hat nur noch 250 000, und auch der Spiegel beweint wieder einmal zehn Prozent minus. Das angebliche »Sturmgeschütz der Demokratie« muss nicht nur die NRW-Ausgabe komplett einstampfen, sondern auch 149 Mitarbeiter feuern. Überall reiben sich Verlage und Redaktionen das selbstgefällige, meist linke Äuglein, greinen, wie einst Mielke vor der Volkskammer, den immer schneller weglaufenden Lesern hinterher: Wir lieben euch doch alle! Eben, nicht »alle«. Nur die Gehorsamen. Und damit dem Fernsehen nicht Ähnliches passiert, tut es so, als sorge es sich um die Zuschauer. Wie jetzt der NDR. Er »spendierte« 45 Minuten Sendezeit …

 

Ein »Spezial«, 20.15 Uhr, beste Sendezeit, Titel: »Der NDR, seine Zuschauer und die Medienkrise«. Dass im ZDF so gut wie gleichzeitig zwölf Millionen Zuschauer lieber Bayern gegen Madrid gewinnen sehen wollten, war sicher Zufall … Im Vorspann stöckelt die dunkelhaarigeTagesThemen-Moderatorin Pinar Atalay auf dem NDR-Flur in Hamburg-Lokstedt durch eine Besuchergruppe, sagt im Off: »Hier freut man sich, mich zu sehen …« (schnell ein Merkel-Selfie!) …, doch »im Netz erreichen mich zunehmend kritische Kommentare«. NDR-Zuschauer werden eingeblendet: »Das Wort Flüchtlingskrise hat mich immer gestört … War es ein Deutscher oder ein Ausländer …? Das verkommt mir alles ein bisschen zum Staatsfernsehen …«

 

Gemeinsam mit dem früheren Extra3-Moderator Hans Jürgen Börner, 71 (gaaanz früher DDR-Korrespondent, inzwischen lange pensioniert), besucht Pinar, 38 (Eltern Türken, Abi in Bielefeld, Radio Lippe, Radio Bremen), NDR-Zuschauer. Alle zielgenau ausgewählt, klar: »Warum denken Sie so über den NDR?«, fragt Pinar im »Off«. Dann Börner, Sonnengläser, blauer Anzug, offenes weißes Hemd, vor einer Klinkersteinkirche mit Glockenturm aus Holz: »Ich bin in Kadenberge, einer Gemeinde im Landkreis Cuxhaven, zu Hause, und hier leben 3500 Menschen und im Moment über 70 Flüchtlinge …«

 

Shakehands mit einer grauhaarigen Dame: »Christa Wiese ist unzufrieden mit der Berichterstattung über die Flüchtlingskrise …« Die Kamera schwelgt in einer großen Halle, Tische mit sortierten Klamotten, volle Kleiderständer, wie bei C&A, Regale mit Schuhen, Stiefeln, ein großes Schild: »Refugees welcome«. Christa Wiese stolz: »In der Kleiderkammer engagieren sich 25 Ehrenamtliche.« Alles »aushaltbar«, man werde nicht von Flüchtlingen überschwemmt … Alles organisiere sich auf eine leise, verlässliche Art …

 

Shakehands mit Pastor, Polizei und Bürgermeister. Und »die, um die es geht« ‒ Flüchtlinge: eine schöne, genauso schön geschminkte Syrerin, mit weißem Kopftuch, Typ »Jungfrau Maria«, zauberhaft. Neben ihr der akkurat gepflegte bärtige Ehemann. Ein viereckiger »Runder Tisch«, Börner beugt sich streng vor: »Sie haben sich beschwert über den NDR?« Frau Wiese:»Joaa … weil er nicht glaubwürdig ist …, weil er die Flüchtlingssituation zu einer Krise definiert … Die Menschen, die gekommen sind, waren in einer Krise, nicht wir

 

Die Kamera schwenkt nach links, NDR-Börner fragt das syrische Ehepaar, das seit sieben Monaten in Kadenberge ist: »Haben Sie eine kritische Sache bemerkt in der Berichterstattung?« Der Syrer parliert broken German: »Ja, dass sie immer sagen nur ›negativ‹. Die schöne ›Muttergottes‹ hilft, ihre gepflegten Händen, mache einen großen und einen kleinen Kreis.« Dazu radebrecht sie: »Negativ ist groß, positiv ist klein …« »Was ist negativ?«, nörgelt Börner. Die schöne Syrerin: »Wenn eine schlechte Mann macht eine Problem, alle sind so, aber das ist nicht sooo …«

 

Ein gewaltiger Hals mit grauer Bürste und Riesenring im Ohr mischt sich ein: »Es ist für die Bevölkerung eine wichtige Information, dass wir nicht nur Schwierigkeiten haben … wie in Köln … genau umgekehrt.« Die nette Frau Wiese sagt: »Unser Beispiel würde vielleicht auch andere anregen …« Und der NDR-Mann fasst die sensationelle Journalistenerkenntnis zusammen: »Auch positive Nachrichten sind berichtenswerte Nachrichten ‒ das ist die Botschaft aus Kadenberge.«

 

 

Cuxhaven kritisiert der NDR ‒ ist es nicht schön?!

 

Neugraben-Fischbek, Hamburger Stadtteil, jeder Dritte mit Migrationshintergrund. Eine riesige Baustelle, schon planiert. Pinar Atalay inspiziert: »Hier plante der Senat, 4000 Flüchtlinge unterzubringen ‒ nahe eines Neubaugebiets.« Häuser im Rohbau, eine Bürger-Demo, viele Menschen, Megafone, Trillerpfeifen, Plakate: »Bürgerinitiative Neugraben-Fischbek. Nein zur Politik! Ja zur Hilfe!«

 

Computerfachmann Jan Greve, »Sprachrohr«: »Wir sagen ja nicht, wir wollen keine, oder nur 200, wir sagen, wir wollen 1500 Flüchtlinge …« Im Schützenhaus an Tischen hunderte bockige Einwohner. Die große Pinar, strenger Blick, strenge Stimme zum kleineren Jan Greve: »Haben Sie sich über die Wortwahl Gedanken gemacht … (wenn Sie vom NDR gefragt wurden) … aus der Sorge heraus, dass man etwas nicht sagen darf?«

 

Greve zögernd: »Das schwingt immer ein Stück weit mit … aber, wir mussten uns jetzt … nicht für die Medien verstellen …« Dann aber: »Uns wurde gesagt, wir brauchen uns keine Sorgen zu machen, obwohl das eine große Anzahl von männlichen Flüchtlingen war, das sei überhaupt nicht schlimm. Doch dann kam Silvester … Da waren dann doch ein paar Logikbrüche in der Berichterstattung.« Pinar erläutert im Off: »Bürger, die mit der Wirklichkeit umgehen, und Medien, die angeblich daran vorbeiberichten, das wirkt sich aus.«

 

Der NDR blendet ein: 40 Prozent sind weniger oder gar nicht mit der Berichterstattung zufrieden. 44 Prozent glauben, die von oben gesteuerten Medien bringen geschönte und unzutreffende Meldungen. Immerhin blendete der NDR dazu ein: »Dieser Aussage stimmten im Oktober 44 Prozent zu …« Oktober? Also kurz vor oder nachdem Angela Merkel die Arme ausgebreitet hatte und hunderttausende junger Männer aus dem Morgenland die deutschen Grenzen fluteten.

 

 

Die neueste Zahl bringt der NDR nicht: Inzwischen vertrauen schon 55 Prozent der Menschen den Medien nicht mehr …

 

Zuschauerin Karin Schuberth-Meister ist dran. Sie fühlt sich von den Medien fremdgesteuert, und, wenn sie mal eine Frage hat, heißt es gleich: Ja, bist du denn Rassist? Kannst du mit Fremden nicht umgehen? … Hallo?!? NDR-Börner besucht sie in ihrem hübsch-bürgerlichen Zuhause im oldenburgischen Hude. Sie findet die Berichterstattung über die AfD nicht korrekt: »Man versucht ihr alles Mögliche anzulasten … Vor allem der ständige Zusatz, ›rechtspopulistische‹ AfD … Das verkommt mir alles ein bisschen zum Staatsfernsehen.«

 

Börner rennt fast aus dem kleinen Haus in Hude. Sogar das Nummernschild des schwarzen VW »vergaß« sein NDR zu verpixeln. So what? Nur Deutsche, keine Schutzsuchenden. Aber die Heuchelfrage aus dem Off: »Stellen wir die AfD in eine Ecke, in die sie gar nicht gehört?« Eine Revue bekannter TV-Sprecherinnen (alle sagen: »Die rechtspopulistische AfD …«) leitet zu einem Herrn über, der so heißt, wie er aussieht: Kai Gniffke, erster Chefredakteur, ARD-Aktuell. Börner: »Die AfD rechtspopulistisch ‒ ist das korrekt?«

 

Gniffke könnte jetzt einfach sagen: Ja, die AfD ist rechts! Stattdessen windet, quält er sich, damit auch alle sehen, wie ernst er seine Aufgabe nimmt, dann, irgendwie verkniffen, in etwa: »Wir legen jeden Terminus auf die Goldwaage … Bevor wir ›rechtspopulistisch‹ verwenden, fragen wir, was die Politikwissenschaft dazu sagt, die Juristen … Was geben die bisherigen Verlautbarungen her? … Erst danach sind wir zu dem Schluss gekommen, ja, es handelt sich um eine rechtspopulistische Organisation!« Um gleich wieder zu rudern: »Das ist ja erst mal nichts Schlimmes … Aber unsere Aufgabe ist es, den Leuten zu sagen: Wo habt ihr diese Partei … einzusortieren?«

 

 

Erst mal, also schnuppern dürft ihr. Wir sagen euch dann aber schon, wenn der Spaß vorbei ist …

 

Börner, mit Laptop in der Sonne, brabbelt halblaut: »Rechtspopulistisch? Im Netz finde ich diese Erklärung …« Und prompt erscheint ein niedliches Pummelchen mit Schmollmündchen, jauchzt herzallerliebst: »Rechtspopulisten wiegeln das Volk auf … gegen die da oben … Sie lehnen andere ethnische Gruppen ab … in Deutschland zum Beispiel Türken und Muslime.«

 

Der Wonneproppen weiß offensichtlich nicht, dass der eine oder andere Türke ebenfalls an Allah glaubt …

 

Börner hört im Auto NDR-Nachrichten: Die AfD will Minarette und Burka, die Vollverschleierung verbieten … notfalls auf Flüchtlinge an der Grenze schießen lassen … Endlich Henstedt Ulzburg, AfD-Landesparteitag: »Unglaublich viel Polizei«, entsetzt sich Börner ‒ er war lange nicht mehr auf einem Parteitag von Grün oder Rot. Rentnerschicksal! Er sieht auch erst mal nur Genossen von der SPD. Das ist die Partei, die es fast nicht mehr gibt, neueste Umfrage: gerade noch 20 Prozent! Aber die NDR-Kamera freut sich über das Sozi-Plakat: »Gegen Rechtspopulisten und Rassismus«.

 

»Wie fair ist die Berichterstattung über die AfD?«, fragt Börner endlich einen von der AfD. Antwort: »In keiner Weise fair.« Ein anderer: »Unfair.« Ein Dritter: »Nicht so fair, ganz ehrlich.« Gott, sind die angeblichen Nazis höflich. Dann der AfD-Landeschef Armin-Paul Hampel, früher TV-Korrespondent in Indien: »Lügenpresse war vielleicht … irgendwie … etwas übertrieben…«, eiert er staatsmännisch ins NDR-Mikro. Netter Kollege!

 

Pinar Atalay bei einem einfachen NDR-Zuschauer. Dieter Rystok versteht nicht, dass die Medien nicht sagen, wer der mutmaßliche Täter war ‒ Migrant, Deutscher? Ehrenkodex der Presse, ja, ja … aber damit vernebeln sie die Nachricht … Der Verdacht fällt auf alle … auf Flüchtlinge, andere Ausländer, deutsche Obdachlose. Die Reporterin wirft ein: »Und was ist mit der Stigmatisierung?« Der Zuschauer: »Das muss unsere Gesellschaft aushalten, sonst ist es eben Lügenpresse, weil ›verschwiegen‹ wird; wir stellen schon keinen unter Generalverdacht, weil er aus irgendeiner Nationalität etwas verbrochen hat.«

 

Nicht Ehren- aber Pressekodex ‒ Thorsten Hapke, NDR-Redaktionsleiter Landespolitik, Hannover, darf aufdröseln. Er tut es so umständlich, wie er sonst berichtet. Und entlarvt sich, Rundfunk, Fernsehen ‒ die »Lügenpresse« halt. »Jaaa, es gab einen Fall, wo geschrieben wurde …, dass eine Braut ermordet wurde …, weil sie ihren Cousin nicht heiraten wollte …, und der Mordverdächtige ein Kurde war …« Pinar Atalay quält ihn: »Es gab noch einen aufregenderen Fall: Ein 15-jähriges Mädchen hat zwei Polizisten niedergestochen, die Bild-Zeitung hat geschrieben, es sei ein marokkanischen Mädchen gewesen, der NDR nicht ‒ warum?«

 

Der NDR-Chef beflissen: »Wir haben (doch) den Namen genannt … und den salafistischen Hintergrund der Tat … Ob das Mädchen eine Syrerin, ein Irakerin, eine Marokkanerin ist, spielte doch keine Rolle …« Nun lässt sich Pinar Atalay zur Advokatin des Zuschauers hinreißen: »Herr Rystok (NDR-Zuschauer) fühlt sich bevormundet …«

 

Und jetzt lässt der NDR-Kollege die scheinheilige Katze des »Staatsfernsehens« aus dem Sack. Trotzig sagt er: »Es ist die Aufgabe desJournalisten auszuwählen, was er für das Relevanteste hält …, was aus unserer Sicht wichtig sein dürfte.« Pilar, jetzt gemein, wie eine richtige Reporterin: »Und wer entscheidet das?« Der blonde NDR-Regionalchef: »Wir sind seit Köln zwar etwas sensibler geworden, aber daraus erfolgt kein Automatismus …«

 

Und die Polizei, die angeblich nie mit der Wahrheit herausrückt? Ihre Sprecherin in Hannover entwaffnend souverän: »Wenn wir gefragt werden, antworten wir, auch bei der Herkunft des Straftäters; das Pressegesetz verpflichtet uns dazu. Wenn wir nicht gefragt werden, antworten wir auch nicht …«

 

Götterdämmerung? Ein neuer Bluff! Tarnen und Täuschen! Erst dürfen die Zuschauer schimpfen, weil der NDR angeblich nicht nett genug zu den Migranten ist. Dann kommen jene, die ihn eigentlich gegen den rot-grünen Senat und seine »Flüchtlingspolitik nach Gutsherrenart« brauchen. Schließlich jene, die sich schlicht für dumm verkauft fühlen, trotzdem keine Nazi sein wollen. Und dann verraten zwei Meinungsmonarchen unfreiwillig, wo es in Wahrheit langgeht, langgehen soll ‒ im Mainstream! Und die Polizei macht den Pilatus … Früher, bevor »Honeckers Mädchen« uns die neue Demokratie lehrte, antwortete die Polizei den Journalisten manchmal auch, wenn sie nicht gefragt hatten.

 

Wer einmal lügt …

 

Quelle: KOPP