US-General Curtis Scaparrotti macht sich zu Beginn seiner Zeit als militärischer Oberbefehlshaber der NATO-Truppen in Europa gleich daran, scharfe verbale Breitseiten in Richtung Russland abzufeuern. Er gilt als Scharfmacher.
 
Am 4. Mai wurde der amerikanische General Curtis Scaparrotti zum Oberbefehlshaber der Truppen der NATO in Europa ernannt. Im Verlaufe der Befragung im amerikanischen Senat trat er so auf, als ob sich die Russen besser vor Amerika fürchten sollten. Seine Kandidatur wurde ganz persönlich vom Friedensnobelpreisträger, Barack Obama, vorgenommen, der noch – bevor er aus dem Amt des Präsidenten ausscheidet – die Grundlagen des weiteren Vorrückens der NATO-Kräfte zu den Grenzen Russlands legen wollte. Scaparrotti wird also allem Anschein nach gerade darin weitergehen, als sein Vorgänger General Breedlove.

 

Ein Heerführer muss möglichst genau wissen, wer die ihm entgegenstehenden Truppen führt. Die Geschichte der Kriege zeigt, welche Bedeutung die Persönlichkeit des Oberkommandierenden für die Strategie und Taktik auf dem Gefechtsfeld hat. Also…
 
Als Erstes muss man bemerken, dass die Karriere General Scapparottis sich durch eine nicht unwesentliche Besonderheit von der seiner Kollegen unterscheidet: er schlug niemals jemanden ernsthaft. Obwohl der General an militärischen Operationen teilnehmen musste, trugen diese alle den Charakter von Strafoperationen. Und wenn du die Truppen leitest, die den weglaufenden Gegner verfolgen, dann kannst du dich mit der Zeit wie Napoleon fühlen, der sich die ganze Welt untertan macht. Scaparrotti durchbrach die Saddam Hussein umgebenden Soldaten im Irak, vertrieb die «Duschmanen» in Afghanistan, vernichtete die Aufständischen in Zaire, kämpfte in Liberia und Bosnien-Herzegowina. Und überall waren seine Truppen im zahlenmäßigen Vorteil und unvergleichlich besser ausgerüstet und ausgebildet als der Gegner.
 
Bei einigen Feldherren mit so einer Geschichte von Siegen zeigt sich mit der Zeit, dass sie die Wirklichkeit nicht vollkommen adäquat wahrnehmen. Und schon beginnt der «Seriensieger» mit ungewöhnlicher Leichtigkeit, die Allüren eines Angehörigen eines Strafkommandos diesmal nicht in Zaire und nicht in Liberia – sondern in Europa zu demonstrieren, das zweimal Weltkriege erlebte und überstand. Der General beschwert sich nicht über die Analyse der Krise in den Beziehungen zwischen der NATO und Russland. Ihm sind die gültigen Gründe des Aufstandes im Donbass und des Beitrittes der Krim in die Russische Föderation völlig unbekannt. Er weiß eigentlich nur eines: Russland benimmt sich aggressiv und man muss es stoppen.
 
Natürlich, Scapparotti ist nicht von Clausewitz. In der Akademie West Point widmeten sie ihre Zeit nicht den Geheimnissen der strategischen Kunst, sie beschäftigten sich damit, gut vorbereitete Zugführer von Infanteriezügen zu werden. Jedoch hat ungeachtet dessen, der General es geschafft, die strategische Gefahr der Existenz Russlands herauszuarbeiten. Und den Zuhörern im amerikanischen Senat hat er erklärt, dass Moskau versucht, die NATO zu spalten und nach dem Austritt der USA aus der Allianz zu streben. Davon zeugen die neuerlichen Handlungen Russlands beim Abfangen der Flugzeuge und der Verstärkung der Streifen der U-Boote bis hin zur Unterstützung der ukrainischen Separatisten.
 
Es ist nicht bekannt, ob die Senatskommission, geführt von John McCain, es geschafft hat, eine Verbindung zwischen dem Patrouillieren von U-Booten und dem tückischen russischen Plan der Spaltung der NATO herzustellen, aber die Berechnungen Scaparrottis haben ihr offenbar gefallen. Senator McCain hat seinen Präsidenten Obama schon oft kritisiert – aber jetzt hat er ihm einen Feldherren gerade nach seinem Geschmack geliefert. Jedenfalls scheint es so, dass der Ärger des Senators über die Verzögerung der Lieferung der Panzerabwehrkomplexe «Javelin» gar nicht mehr enden wird. Doch hat Scaparrotti ungeachtet dessen darauf hingewiesen, das man ganz schnell liefern sollte.
 
Natürlich, mit «Javelin» allein wird die Sache nicht zu Ende gehen. Der General hat den Zusatzvorschlag gemacht, in Osteuropa eine Panzerbrigade aufzustellen, da die strategische Situation eilige Maßnahmen erfordert. Der NATO-Block sieht geschwächt aus vor dem Hintergrund der wachsenden militärischen Macht der Russen. Und wirklich – nach der vorhandenen Statistik – stehen irgendwelche beklagenswerten 7,5 Millionen Soldaten der Mitgliedsländer der NATO der bis zu den Zähnen bewaffneten russischen Armee, die bis zu 790.000 Menschen zählt, entgegen.

 

Außerdem wurde die Luftwaffe der NATO stark verringert. Unmittelbar nach dem Ende des kalten Krieges waren es 7.000 Einheiten, heute sind es nur noch 3.900 Flugeinheiten, von denen sich 900 in der Aufbewahrung befinden. Das ist im Vergleich mit der russischen Luftwaffe sehr bescheiden, die ist dreimal kleiner, aber die wenigen sind sehr viel gefährlicher. Doch wenn man die Berichte der Analytiker des Pentagons und der CIA zur Kenntnis bekommt, dann werden im Falle des Beginns des Kampfes die Russen mit so einer Zahl von Soldaten und Flugzeugen das komplette NATO-Heer in 2-3 Tagen vertreiben.
 
Das verstehend, ruft Scaparrotti dazu auf, den Kampfgeist der Soldaten zu festigen. Und er geht mit gutem Beispiel voran. Zum Beispiel, wenn sich ein russisches Flugzeug mal wieder einem amerikanischen Zerstörer nähert – und zwar bis auf eine gefährliche Entfernung – dann ist das seiner Meinung nach als unzulässig zu betrachten und es ist gegen das Flugzeug «die Anwendung von Waffen» notwendig. Es ist sofort zu sehen, dass der ehemalige Zugführer eines Infanteriezuges seine vier Generalssterne nicht im Lotto gewonnen hat.

 

Jetzt muss Amerika in der UNO danach streben, dass die neutralen Gewässer der Weltmeere und der Luftraum über ihnen zu Wasser und Luftraum der USA erklärt werden. Zum Beispiel schwimmt dann irgendein «Donald Cook» durch das Schwarze Meer und der Raum um ihn herum im Radius einer Seemeile (oder größer) wird amerikanisch. In diesem Fall wird das Eindringen eines ausländischen Flugzeugs in diesen Raum wie eine nicht provozierte Aggression betrachtet und das Flugzeug unterliegt der Vernichtung der amerikanischen Mittel der schiffsgestützten Luftabwehr.
 
So eine Reaktion auf die Handlungen Russlands kann richtig gefährlich werden. Denn es bewegen sich heute die russischen Schiffe und U-Boote in neutralen Gewässern ebenso frei, wie auch die amerikanischen. Aber das geht in in den Kopf des Generals Scaparrotti auf gar keine Weise hinein. Dem Bewusstsein eines professionellen Angehörigen eines Strafkommandos ist es eigen, zu meinen, dass er die Situation grundsätzlich in Griff hat. Daraufhin unterscheidet er den Unterschied zwischen einer Strafoperation und einem Krieg nur noch mit Mühe. Und das ist für Europa ein ganz schlechtes Zeichen. Dabei fehlt nur noch ein Wahlsieg von Hillary. Hilfsweise auch einer von dem anderen Schwachkopf. Dann werden sich die Russen wirklich fürchten.