Der Slogan «Wir können es (notfalls) wiederholen!» gewinnt immer mehr Fans in Russland und wird fast das wichtigste nationale Motto für den kommenden Tag des Sieges. Ausgedacht im Jahr 2012, unters Volk gebracht in Form von Aufklebern, erschien es dann bildlich im Jahr 2014 auf russischen Autos und erlebt nun eine neue Welle der Popularität.

 

Als Antwort ertönt allerdings eine nicht kleinere Welle der Empörung und harscher Kritik, und nicht wegen des Bildes auf dem Aufkleber, das in der Tat sehr fraglich ist, sondern wegen des Versprechens: «Wir können es (notfalls) wiederholen!». Einige Russen empfinden es sogar als Gefahr einer Beleidigung der Erinnerung an die Gefallenen im großen Vaterländischen Krieg. Sie fragen nach: «Was genau wollt ihr wiederholen? 25 Millionen Tote und gefolterte Sowjetbürger? Hunderte von verbrannten Dörfern und Tausende zerstörte Häusern? Wer braucht eine solche Wiederholung?»

 

Diese Fragen scheinen zwr auf den ersten Blick besorgt, angemessen und patriotisch zu sein, aber in Wirklichkeit verfehlen sie das Ziel und zeigen erhebliches Unverständnis vom tatsächlichen Sinn dieses Mottos, das den Puls der Zeit widerspiegelt. In den letzten zwei Jahren erfolgten so schwere und sogar katastrophale Veränderungen auf der internationalen Bühne, dass sie nicht nur die Gegenwart veränderten, sondern auch die Wahrnehmung der Vergangenheit. Die Welt erscheint jetzt so, wie sie in den 1930ern Jahren war.

 

Der Große Vaterländische Krieg beinhaltet nicht nur die vergangenen Schmerzen, die traurige Erinnerung an die Toten, er kehrte zurück aus der Vergangenheit in die heutigen Tage und verwandelte sich in eine echte Bedrohung der Gegenwart, wenn auch in etwas anderer Form und Perspektive. Wieder, wie vor 80 Jahren braut sich ein Sturm zusammen. Aus dem Westen in Richtung Russland und wir hören förmlich die Fanfarenklänge einer bevorstehenden Aggression.

 

Ja, seit Jahrzehnten war der Tag des Sieges ein «Feiertag mit Tränen in den Augen» (Anm. d.Übers.: Strophe sowjetischem Liedes der Nachkriegszeit), an dem «wir trauern und uns erinnern» und «nie wieder Krieg» beten. Aus dem einfachen Grund, dass dieser Krieg und die namenlosen Helden der vergangener Zeiten, an die sich die ganze Welt erinnert, noch verhältnismäßig nahe waren. Der russische Iwan mit seinem Maschinengewehr stand wie lebendig vor den Augen der Bürger. Für die Einen als Befreier, für die Anderen wie eine Bedrohung.

 

Dies ist keine Übertreibung: Westliche Länder waren übersät mit Obelisken und Denkmälern für sowjetische Soldaten. Aber dieses Gedächtnis wurde fleißig ausradiert und in letzter Zeit wird darauf einfach gespuckt, nicht nur in Polen, dem Baltikum und in der Ukraine.

 

Bis zum Jahr 2014 wurde in den Schul- und anderen Büchern in Dutzenden von Ländern Geschichte umgeschrieben und deren Bevölkerung eingehämmert, dass Stalin Hitler gleichen würde und die UdSSR sogar schlimmer als Nazi-Deutschland gewesen sei. Die gegenwärtige westliche und pro-westliche Propaganda zeichnet Russland als Aggressor und sogar faschistisches Imperium, bereitet den widerspenstigen Konkurrenten auf die Rolle des Schuldigen, zu Recht zu Besiegenden durch das US-ISR-NATO-EU-«Imperium des Guten» vor.

 

Das war noch vor 10 Jahren nicht möglich, sich vorzustellen. Die Trittbrettfahrer des russischen Sieges über Hitlerismus und Nationalsozialismus im Zweiten Weltkrieg versuchen die RF als neue Brutstätte von Faschismus darzustellen. Dabei sind das nicht irgendwelche Freaks und Ausgestoßene, sondern die Vertreter der westlichen Eliten, der britische Prinz Charles, die litauische Präsidentin Grybauskaite, der deutsche Finanzminister Schäuble und die Vertreter des Europarates. Die Wiedervereinigung der Krim mit Russland wird besseren Wissens als «Annexion» und völkerrechtswidrig bezeichnet und mit dem Anschluss fremder Länder an Nazi-Deutschland verglichen.

 

Dabei wird ein echter Neo-Nazismus in der Ukraine durch Washington und Brüssel auf höchstem Niveau offen unterstützt.
Ein Teil der Kopfabschneider-Terroristen in Syrien wird von den westlichen Politikern als «moderat» bezeichnet und gleichzeitig wird der Luftkampf der Russischen Föderation als Vernichtung von harmlos oppositionellen Demokraten denunziert.
Alles wurde auf den Kopf gestellt. Was gestern unmöglich schien, ist heute Wirklichkeit.

 

In voraussagendem Serial «Siebzehn Augenblicke des Frühlings» erzählt Müller Max Otto von Stierlitz, wie Jahrzehnte später das Nazi-Gold von Nazi-Bormann für ihn als Geschichtenerzähler dienen wird, auf andere Art und Weise Nazi-Propaganda weiterzugeben:

 

«Das Gold der Partei… für die Hunderttausenden von Intellektuellen, im Laufe der Zeit zu erkennen, dass es in der Welt keinen anderen Weg, als den Nationalsozialismus gibt. Gold der Partei ist die Brücke in die Zukunft, es ist ein Appell an unsere Kinder, diejenigen, die heute ein Monat, ein Jahr, drei Jahre alt sind».

 

So ist auch geschehen. Bereits im Jahr 2011 wurden Sergej Lawrow und im Jahr 2014 Wladimir Putin dazu gezwungen zu bemerken, dass in Europa der Nationalsozialismus und Militarismus ihren Kopf angehoben haben.

 

Die Truppen der NATO führen ihre Übungen in den baltischen Staaten durch und marschieren in Chisinau ein, versorgen und führen den Einsatz der ukrainischen «Straf»-Bataillone. Tausende Kämpfer von US-Truppen rücken näher an die russischen Grenzen heran unter dem Deckmantel eines Schutzes vor «russischer Aggression».

 

Das ist durchaus noch verständlich, die Amerikaner haben ja keine blasse Ahnung, keine historische Erinnerung daran, womit wir die Deutschen in den fatalen Vierziger Jahren eingedeckt und aufgerieben haben.

 

Aber an der NATO-Übung, nur 30 Kilometer von der Grenze mit Russland entfernt, beteiligen sich Soldaten der Bundeswehr! Und Berlin verspricht, neue Kräfte in das Baltikum zu senden. Auf kontinuierlicher Basis. 75 Jahre nach dem Anzetteln des Krieges ist Deutsches Militär wieder an unseren Grenzen? Wie muss das erst der Enkel des sowjetischen Soldaten hinnehmen, wenn sogar einige Deutsche sich darüber empört haben?

 

Im Jahr 2014 fragten die USA Moskau durch die Worte von Arsenij Jazenjuk, ob die Russen etwa Krieg wollten. Es klang zwar eher rhetorisch, mehr wie eine Anklage ob einer Bereitschaft zu Aggression. Aber im Wesentlichen war es Sondierung zum Thema, ob die Russen zum Kampf bereit seien. Der Slogan «Wir können es (notfalls) wiederholen!» klingt also wie die Antwort auf diese Frage und eine mahnende Erinnerung an die Interessierten: «Ja, bei Bedarf sind die Russen bereit». Das ist die Mahnung für alle Diejenigen, die Russen erschrecken wollen, Erinnerung daran, dass alle solche früheren Jäger selbst tödlich zurückgeschreckt worden sind.

 

Dieses Motto ist kein Aufruf zu neuen Gräueln und Zerstörungen wie im Zweiten Weltkriegs, ganz im Gegenteil. Es ist der Wunsch diese provozierende Saurier-Kraft, (viel Masse aber wenig Hirn,) zu stoppen, die immer näher an Russland heranrückt, bunte Revolutionen inszeniert, Krieg sät. Die russischen Bürger sind es schon müde, Besorgnis zu äußern und NATO-Truppen zur Besonnenheit aufzufordern (das wird vom russischen Außenministerium erfolgreich bewältigt). Die Russen wären sogar bereit zu drohen, wenn diese Drohung das Vorspiel künftigen Welt-Gemetzels stoppen könnte.

 

Ja, wir können es notfalls wiederholen und, wenn nötig, wiederholen wir es, erneut Hunderttausende solcher «Zivilisatoren», vom Leben zum Tode zu befördern, wenn diese wieder einmal versuchen, den «Russischen Barbaren» vom Erdball «auszuradieren».

 

Ja, wir könnten wieder strafen und wir bestrafen jeden zum Monstrum Entarteten, der sich selbst als Herrscher des Universums oder als eine exklusive, über alles bestimmen wollende Nation vorstellt.

 

Ja, wir wiederholen es notfalls, die Ruinen des Deutschen Reichstags irgendwo im Städtchen Washington zu installieren, wenn die dortigen Bewohner des Weißen Hauses es unbedingt so wollen, mit den Russen Krieg zu spielen.

 

Ja, wir können es wiederholen und haben es bereits in Palmyra wiederholt: Eine Hymne der Menschlichkeit gegen die Unmenschlichkeit. Eine Selbstoffenbarung war jedoch, dass der britische Minister Hammond das Konzert von Gergiev neben den alten zerstörten Denkmälern, die noch vor kurzem von Terroristen endgültig vernichtet werden sollten, als eine russische Geschmacklosigkeit bezeichnete.

 

Und die Hauptsache: Wir können und werden es unbedingt wiederholen den Schutz des Planeten von der nächsten globalen Bedrohung, die seine Existenz bedroht. Die Rede ist vom schuldhaft selbst entwickelten Terrorismus, der wie der Hitlerismus vor 80 Jahren, vom Großen Kapital der westlichen Länder aktiv unterstützt, dass aber vorgeblich als Bekämpfung dessen deklariert wird.

 

Die Worte «Wir können es (nötigenfalls) wiederholen!» an die Adresse unserer westlichen «Partner», ich bin mir sicher, werden noch mehr Popularität bei den russischen Menschen gewinnen. Nur hoffentlich, begleitet von einem anderen Bild. Das ist wirklich geschmacklos und das Bild kann man einem Kind nicht erklären.

 

Ja, auch an den Wänden des Reichstags hinterließen die sowjetischen Soldaten nicht nur «anständige» Beschriftungen, wir werden die Geschichte nicht übertünchen. Aber für öffentliche Plakate des Spruchs wäre es gut, ein anständiges und witziges Bild zu kreiren. Zum Beispiel, eine Fahne des Sieges wird auf die Ruinen des Weißen Hauses aufgesetzt. Damit, dass es deutlicher wird.

 

Es ist nicht notwendig, den Bürger Russlands Blutdurst und Durst nach Krieg zuzuschreiben. Ja, eine gewisse Kühnheit und Gedankenlosigkeit zur eventuellen Auseinandersetzung mit dem Westen ist vorhanden. Aber das ist nur die Reaktion gegenüber dem ständigen Druck auf Russland und sein deutlichstes Beispiel: das Vordringen der NATO an unsere Grenzen.

 

Lasst uns in Ruhe und wir werden ruhig auf einem Siebentel des Planeten, unserem Siebentel leben, ohne jemanden zu berühren. Aber wenn die NATO-Krieger die Fehler der Vergangenheit wiederholen und unter dem Deckmantel der Förderung der Zivilisation Russland die Souveränität zu entziehen versuchen, dann werden wir, dazu genötigt, das Jahr 1945 auch «wiederholen können».

 

Nur, diesmal konsequenter, des Albert Einstein auf unsere Art gedenkend:

 

Einen Folge-Krieg nach unserer «Wiederholung» müssten die Aggressoren dann wohl tatsächlich mit Stöcken und Steinen führen.

 

 

Quelle: www.vzglyad.ru

Übersetzung: fit4Russland