Seit acht Jahren diskutiert man in Berlin über ein eigenes Zentrum für islamische Studien. Der Bund, der gerade erst weitere zwanzig Millionen Euro für die bestehenden fünf zugesichert hat, will es nicht fördern. Außer den Zentren in Münster-Osnabrück, Tübingen, Frankfurt und Erlangen-Nürnberg beteiligen sich noch vier Pädagogische Hochschulen und die Akademie der Weltreligionen (AWR) der Universität Hamburg an der Ausbildung von Religionslehrern.

 

Inzwischen hat der Berliner Senat zugesichert, sein Projekt selbst zu finanzieren. Aber die Berliner Universitäten scheinen nicht begeistert zu sein, obwohl die Politik inzwischen zur Eile drängt und mit dem Projekt wohl auch gern im Wahlkampf punkten würde. Nur sind die wichtigsten inhaltlichen Fragen, vor allem die nach den Befugnissen eines Beirates, unbeantwortet. Es gibt lediglich eine Absichtserklärung, auch in Berlin Imame, Religionslehrer und islamische Sozialarbeiter auszubilden. Weder die Freie Universität noch die Humboldt-Universität wollen die institutionelle Führung übernehmen. Völlig unklar ist, welcher islamischen Glaubensrichtung der Vorrang eingeräumt wird oder ob man sich bemühen will, einen modernen Ansatz durchzusetzen, bei dem Konfession und Herkunftsland eine untergeordnete Rolle spielen. Denn immer noch ist der islamische Religionsunterricht in Deutschland trotz aller Glaubensvielfalt — „den Islam gibt es nicht!“ — eine sunnitische Veranstaltung.

Die Aleviten, wegen ihrer liberalen und garantiert säkularen Haltung von den orthodoxen Verbänden beargwöhnt, haben sich nicht nur in Berlin aus der Einheitsveranstaltung verabschiedet. Sie schicken eigene Lehrer in die Schulen. Die Ankündigung, der Berliner Senat werde mit allen „großen Verbänden“ über die Zusammensetzung eines Beirates für die universitäre Ausbildung verhandeln, wird sie nur bestärkt haben, ihren eigenen Weg zu gehen.

 

 

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