Eine junge Frau hat mit Hilfe von Periscope-Aplikation Abschiedsworte aufgezeichnet und anschließend in einem Vorort von Paris Selbstmord begangen, berichtet The New York Times am Mittwoch. Die französischen Behörden haben Ermittlungen zu dem Fall eingeleitet.

 

Wie der örtliche Staatsanwalt Eric Lallement mitteilte, hatte sich die 19-jährige Frau, deren Name nicht genannt wird, am frühen Dienstagmorgen auf dem Bahnhof Égly, der 40 Kilometer südlich von Paris entfernt ist, unter einen Pendlerzug geworfen. Einige Minuten vor ihrem Tod soll sie ihre Absicht mit einer SMS einem ihrer nahen Freunde bekannt gegeben und eine Aussage an Internet-Benutzer über die Periscope-Applikation gemacht haben, um ihr Verhalten zu erklären.

 

Zurzeit untersuchen Ermittler das Handy der Verstorbenen und werten ihre Videoübertragungen aus.

 

Das Selbstmord-Video ist auf dem Periscope-Kanal nicht mehr verfügbar, eine Menge Kopien davon gibt es jedoch auf der  YouTube-Plattform. Der Augenblick des Selbstmordes ist dabei verdunkelt.

 


Die Videoaufzeichnungen zeigen eine abgespannte ernste Frau in einem möblierten Zimmer, die sagt: „Ich mache dieses Video nicht um jemandes Nerven zu kitzeln, sondern um Menschen reagieren  zu lassen und zum Nachdenken anzuregen, das wäre alles.» Die Frau stellt sich als Angestellte eines Altersheims  und Einwohnerin von Arpajon, einer Stadt nicht weit von Égly, vor.

 

Die französischen Behörden bestätigten nicht sofort, dass die Frau in dem Zimmer auf der Videoaufzeichnung dieselbe ist, die den Selbstmord begangen hatte.

 

Die Zuschauer reagierten auf das Video unter anderem mit Kommentaren wie „Wir freuen uns darauf», „Es ist immer ein Vergnügen, Sie zu sehen», „Was deutest du an?» und „Ich meine, das ist super» — und nahmen ihren Kummer offenbar nicht ernst.

 

Ab einem entsprechenden Moment wird die Videoaufzeichnung verdunkelt, es gibt keine Geräusche, und fünf Minuten später ist eine Stimme zu hören, die offenbar einem Rettungsdienst-Mitarbeiter gehört: „Ich bin unter dem Zug zusammen mit dem Opfer; ich muss das Opfer wegräumen.» Während der letzten Sekunden ist ein Zug auf der Videoaufnahme zu sehen.

 

Diese Videodirektübertragung eines Selbstmordes ist kein Einzelfall, betont die Zeitung, kürzlich wurde nicht nur in Frankreich, sondern weltweit  eine Reihe von erschreckenden und gewalttätigen Aktionen wie Verprügelungen und Vergewaltigungen mit Hilfe von Technologien der Echtzeitübertragung im Netz verbreitet.

 

Thomas Husson, ein in Paris wohnender Mitarbeiter von Forrester Research, einem Unternehmen, das unter anderem Informationstechnologien analysiert, hält eine solche Entwicklung, bei der tragische und grausame  Ereignisse mit Hilfe von Livestreaming-Instrumenten  übertragen werden,  für unvermeidlich. „Jetzt leben wir unter der Diktatur der Echtzeit», sagte er.

 

Die Technologien der Echtzeitübertragung könnten unerwünschte Folgen nach sich ziehen, betonte er, deshalb beginnen  die Internet-Riesen die Verwendung von solchen Technologien zu überwachen. Dies sei aber eine knifflige Aufgabe.

 

Solche Instrumente der sozialen Netzwerke wie Periscope und Snapchat hätten  auch  die Besorgnisse der Gesetzgeber erregt, von extremistischen Organisationen genutzt zu werden. Deshalb gibt es Versuche von Gesetzgebern, solche Instrumente zu kontrollieren.  Die Internet-Firmen werden sich fügen  müssen, meint Husson, dies sei aber eine politische Frage. Es gehe darum, wie die Verwendung der Echtzeitübertragung-Technologien in Zukunft reguliert werden sollte.

 

Zurzeit verbieten die Periscope-Richtlinien explizit brutale Inhalte zu posten, obwohl „sensible» Inhalte auch veröffentlicht werden dürfen, wenn sie „von künstlerischer, aufklärerischer, wissenschaftlicher oder berichtenswerter Natur» sind.

 

 

Quelle: Sputniknews