Trotz Protest aus Moskau bauen die USA weiter an ihrem Raketenschild in Europa. Das US-Militär verweigert Russland verbindliche Sicherheitsgarantien, wiegelt jedoch ab: Das Abwehrsystem kann russische Raketen nicht abfangen.

 

„Wir versichern Russland, dass unser Raketenabwehrsystem in Europa nicht fähig ist, Russlands ballistische Interkontinentalraketen abzufangen“, erklärte das US-Verteidigungsministerium anlässlich der Eröffnung der Raketenbasis in Rumänien.

 

Die Kapazitäten des Abwehrsystems in Europa seien beschränkt, es sei nicht zur Bekämpfung „der großen und komplizierten strategischen  Atomwaffen Russlands“ bestimmt.

 

Im rumänischen Deveselu ist am Donnerstag eine Raketenstellung mit Überwachungsradar feierlich für voll einsatzfähig erklärt worden. Mit den universellen Startanlagen des Typs Mk-41 vor Ort können sowohl Abfangraketen als auch Tomahawk-Marschflugkörper mittlerer Reichweite gestartet werden, weshalb Moskau diese Anlage als Verstoß gegen den Vertrag über die Vernichtung der Raketen mittlerer und kurzer Reichweite (INF) kritisiert. In zwei Jahren soll eine ähnliche Anlage in Polen entstehen.

 

Formell begründen die USA und deren Verbündete dieses Raketenabwehrprojekt mit einem angeblichen Schutz vor dem Iran, der bis Sommer 2015 wegen seiner Atom- und Raketenprogramme international unter Sanktionsdruck stand. Obwohl die Weltgemeinschaft mit dem Iran eine Einigung im Atomstreit erzielte, wird an dem umstrittenen Raketenschild weiter gebaut.

 

Deshalb sieht Russland das Abwehrsystem gegen sich gerichtet. Moskau befürchtet nämlich, dass dieses Waffensystem auch nukleare Interkontinentalraketen abfangen und so das russische Atomarsenal entwerten könnte. Die USA bestreiten das, lehnen es jedoch ab, rechtsverbindliche Garantien dafür abzugeben, dass der entstehende Raketenschirm nicht auf Russlands Atomraketen abzielt.