Der Erzbischof der Griechisch-Katholischen Kirche von Aleppo, Jean-Clement Jeanbart, hat den Westen dazu aufgerufen, keine weiteren syrischen Bürgerkriegsflüchtlinge aufzunehmen. Besser sei es, sich für ein Ende des Krieges in Syrien einzusetzen, sagte der Bischof während eines Besuchs in Kanada.

 

„Der Westen bedauert die Syrer und die Christen unter ihnen. Aber weiß er wirklich etwas von deren Problemen? Das bezweifle ich, denn ansonsten würde er sich bemühen, diesen Krieg zu beenden“, kritisierte Jeanbart die westliche Nahostpolitik. Es schmerze ihn, daß nach wie vor Zehntausende Christen Syrien verließen.

 

Kanada hat bislang 25.000 syrische Bürgerkriegsflüchtlingen aufgenommen und will bis Anfang 2017 rund 10.000 weitere Syrer ins Land lassen. „Das tut uns sehr weh“, sagte der Bischof. Seit Beginn des Bürgerkriegs 2011 sei die Zahl der Christen im Land von 1,5 Millionen auf 500.000 zurückgegangen.

 

„Europa wird einen hohen Preis zahlen für seine Ruhe“

 

Erst kürzlich hatte der syrisch-katholische Erzbischof von Homs, Philippe Barakat, Europa vorgeworfen, die zentrale Rolle Saudi-Arabiens im Syrien-Krieg aus wirtschaftlichen Interessen zu verschweigen. „Die europäischen Regierungen kennen die Wahrheit und schweigen, weil sie an das saudische Geld wollen“, sagte Barakat der Katholischen Nachrichten-Agentur KNA. „Wir Christen sind dabei wie Tiere und zählen nicht.“

 

Imame aus Saudi-Arabien, Katar und der Türkei hätten einen radikalen, gewalttätigen Islam nach Syrien importiert und damit den Krieg angeheizt: „Mit dem wahren Islam läßt es sich gut zusammenleben, nicht aber mit dem neuen, falschen Islam Saudi-Arabiens, der alles tötet“, sagte der syrisch-katholische Erzbischof.

 

Dieser Islamismus werde sich auch nach Europa ausbreiten. „Europa wird einen hohen Preis zahlen für seine Ruhe“, prophezeite Barakat und lobte zugleich die Regierung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad für ihre religiöse Toleranz: „Unsere Regierung ist gut für uns Christen, bis heute haben wir keine Probleme. Man begegnet uns mit viel Respekt und Hilfe.“