Der Türkische Präsident Erdogan heizt die Stimmung zwischen seinem Land und dem Westen weiter an. Laut der Nachrichtenagentur Anadolu kritisierte er jüngst die angebliche Gleichgültigkeit einiger Staaten gegenüber leidenden und hilfsbedürftigen Syriern, während gleichzeitig seltene Schildkrötenarten und Homosexuellen-Rechte verteidigt würden.

 

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„Es sollte sich schämen, wer sich mehr um sogenannte Freiheiten, Rechte und Gesetze im Streit um Homosexuelle sorgt, währen in Syrien Frauen und Kinder leiden. Es sollte sich schämen, wen das Schicksal von Walen und seltenen Schildkröten beunruhigt, wer sich dabei aber von 23 Millionen Syriern abwendet“, wird Erdogan von Anadolu zitiert.

 

Für westliche Spitzenpolitiker stehe noch immer die eigene Sicherheit an erster Stelle, der Wohlstand und die Bequemlichkeit, so Erdogan. Dabei würden sie bewusst die Probleme derer ignorieren, die ums Überleben kämpfen müssen. Erdogan zufolge interessieren sich weder Europa noch die USA wirklich für die rund 600.000 Syrier, die dem Regime des Präsidenten Assad zum Opfer gefallen sein sollen.

 

Den Vorstoß Dänemarks, ankommenden Flüchtlingen Wertsachen abzunehmen, um so die Staatsausgaben für die Migranten zu kompensieren, erinnere, so Erdogan, an „die Zeit der Sklaverei“, als ein Menschenleben noch nach Geldbeutel und Schmuck „berechnet“ worden sei. Im Gegensatz zum Westen wolle Erdogan mit seiner Türkei „diese Herausforderung (der Flüchtlingsstrom – Anm. d. Red.) mit Ehre annehmen“. Trotz der bereits in der Türkei lebenden rund drei Millionen Flüchtlinge, bliebe auch weiter das Tor offen stehen für weitere Not leidende.

 

Die Schuld an den gegenwärtigen starken Flüchtlingsströmungen gab Erdogan dabei gleichzeitig Russland und dem Iran, die in Syrien allein ihre eigenen Interessen verfolgten. Die Waffenruhe nutze überhaupt vor allem dem syrischen Präsidenten Bashar Assad. Die Türkei sei enttäuscht vom Geschehen in Syrien, so Anadolu.

 

Zwischen Brüssel und Ankara besteht seit mehreren Wochen ein Abkommen über Zusammenarbeit zur Begrenzung der Zahl der in die EU einreisenden Flüchtlinge. Es sieht den Austausch „einer gegen einen“ vor, was bedeutet, dass 72.000 illegale Migranten von den griechischen Inseln in die Türkei zurückgeschickt und Tausende syrische Flüchtlinge in die EU aufgenommen werden. Im Gegenzug hat sich die EU bereit erklärt, die Finanzierung konkreter Projekte für die Flüchtlingshilfe in der Türkei in Höhe von drei Milliarden Euro zu beschleunigen. Außerdem soll der EU-Beitrittsprozess des Landes wieder aufgenommen werden.

 

Die medizinische Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen nannte das Abkommen jüngst „einen beispiellosen Verzicht auf moralische und rechtliche Verpflichtungen“ seitens der EU.

 

Seit Mittwoch steht der Flüchtlingsdeal zwischen Brüssel und Ankara vorm Scheitern: Das EU-Parlament hat die Arbeit an der Visafreiheit für die Türkei provisorisch eingestellt, da dieses Land nicht alle 72 Bedingungen für eine Abschaffung der Visapflicht erfüllt.

 

Aus Ankara wurde gedroht: „Wenn es (Brüssel – Anm. d. Red.) die falsche Entscheidung trifft, schicken wir die Flüchtlinge los“, warnte Erdogans Berater Burhan Kuzu am Dienstag schon via Twitter.

 

Quelle: Sputniknews