Am Eurovision Song Contest 2017 in der Ukraine sollen nur diejenigen russischen Sänger teilnehmen dürfen, die anerkennen, dass „die Besetzung der Krim und die Okkupation eines Teils des Donbass Verbrechen sind“, wie der Volksfront-Abgeordnete Anton Geraschenko gegenüber dem Radiosender „Govorit Moskwa“ („Hier spricht Moskau“) sagte.

 

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„Wenn das russische Volk einen Sänger oder eine Sängerin für den Eurovision Contest wählt, die sich nicht zur Unterstützung der aggressiven Politik Russlands äußern und die nationale Würde der Ukraine nicht beleidigen, dann sehe ich keine Hürden“, so Geraschenko.

 

Das ukrainische Kulturministerium hat schon seit langem eine schwarze Liste russischer Schauspieler, Musiker und Künstler zusammengestellt, die aus Kiewer Sicht „die nationale Sicherheit der Ukraine gefährden“.

 

Beim internationalen Gesangwettbewerb Eurovision 2016 in Stockholm hat die Sängerin Jamala für die Ukraine gesiegt. Den zweiten Platz belegte die  Interpretin aus Australien, Dami Im. Der russische Sänger Sergej Lasarew kam auf den dritten Platz.

 

Nachdem Russland am Samstag das Publikumsvoting haushoch gewonnen hatte und die Ukraine überraschend zum Sieger ausgerufen wurde, stellten viele empörte Zuseher die Sender im Internet zur Rede.

 

Der Song von Jamala war schon lange vor Beginn des Wettbewerbs heiß umstritten. In dem Lied „1944“ geht es um die Deportation der Krimtataren. Laut der Sängerin, die selbst Krimtatarin ist, ist der Song eng mit der Geschichte ihrer Familie verbunden. Der Song der Ukrainerin Jamala war musikalisch mäßig, aber politisch brisant. Auffällig war, dass während der Show dauernd gesagt wurde, es handle sich um ein unverdächtiges, biografisches Friedenslied der Sängerin.

 

Der ukrainische Ex-Premier Arsenij Jazenjuk hat nach Jamalas Sieg seine Zuversicht geäußert, dass „die Krim wieder ukrainisch sein wird“.

 

Im Osten der Ukraine schwelt seit Jahren ein Konflikt: Die ukrainische Regierung hatte im April 2014 eine Militäroperation gegen die selbsterklärten Volksrepubliken Lugansk und Donezk gestartet, die nach dem nationalistischen Umsturz im Februar 2014 in Kiew ihre Unabhängigkeit erklärt hatten. Nach Vereinbarung der Waffenruhe gibt es weiter Schusswechsel zwischen den Konfliktparteien, nach jüngsten Angaben der Uno hat der Konflikt bisher mehr als 9.000 Menschenleben gefordert.