Trotz Türkei-Deal und Grenzzäunen kommen weiterhin täglich 200 bis 300 Migranten über die Balkanroute. Sie nutzen den «Service» von Schmugglern, der sie über einen neuen Weg führt.

 

Als Ajub Khan das erste Mal über die bulgarische Grenze kam, wurde er verprügelt und wie ein Hund zurückgejagt. Die bulgarischen Grenzschützer «schlugen uns, klauten unser Geld, die Telefone, sogar das Essen, die Kleider, und jagten uns zurück», erzählt er. Viermal wurde der junge Afghane aus Kandahar erwischt, bevor es beim fünften Versuch gelang, von der Türkei aus über die grüne Grenze zu schlüpfen. «Einmal hatten wir Glück, denn da waren auch deutsche Polizisten bei der Patrouille», berichtet er. «Da wurden wir zwar auch in die Türkei zurückdeportiert, aber wenigstens schlugen die Bulgaren uns nicht.» Ohne die Deutschen hingegen: «Immer Prügel».

 

Immer mehr Migranten kommen auf diese Weise über die bulgarische Grenze, seit die Türkei den Weg nach Griechenland blockiert. Die Regierung in Sofia hat deswegen gerade beschlossen, den 2014 errichteten Zaun an der Grenze zur Türkei zu erweitern.

 

Monatelang war Khan unterwegs gewesen – Pakistan, Iran, Türkei. Eigentlich wollte er übers Meer nach Griechenland. Pech: Vier Tage zuvor war das Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und der Türkei in Kraft getreten, dieser Weg damit versperrt. Für 1000 Euro versprachen Schlepper, ihn von Istanbul über Bulgarien nach Belgrad zu bringen.

 

Wie Ajub Khan kommen nach wie vor jeden Tag mehr als 200, manchmal mehr als 300 Migranten in Belgrad an, in einem Park am Busbahnhof, der als zentraler Treffpunkt dient. Hier bekommen sie Nahrung, Kleider und Schuhe von freiwilligen Helfern, warten auf Nachzügler, verhandeln mit Schmugglern.

 

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