Der Chefredakteur der oppositionellen Zeitung „Cumhuriyet”, Can Dündar, gab der Zeitung „Bild“ ein Interview, in dem er die Kanzlerin Merkel für ihre Nachsicht gegenüber Erdoğan kritisierte.

 

 

„Merkel ignoriert diejenigen, die die europäischen Werte und Prinzipien in der Türkei etablieren wollen. Stattdessen exportiert Erdoğan seine türkischen Prinzipien nach Europa und verklagt jetzt auch deutsche Journalisten. Es könnte fast komisch sein, wenn es nicht so tragisch wäre.“

 

Er stellte fest, dass die Hälfte der Türkei mit Erdoğan nicht einverstanden ist, aber die Kanzlerin hört dieser Hälfte, die für Freiheit, Menschenrechte, Laizismus und Demokratie stehen, während ihre Besuche nach Türkei nicht zu.
 
Dündar sagte, dass er Merkels Haltung in der Flüchtlingskrise, die die EU mit Hilfe der Türkei zu lösen versucht, versteht. „Ich kann ihre Position verstehen. Sie steht unter der Bedrohung, dass Erdogan die Flüchtlinge losschickt. Deshalb will sie einen Weg finden, mit ihm umzugehen. Sie muss mit einem totalitären Staatschef verhandeln, mit dem es keinen gemeinsamen Nenner gibt, und hat ein schändliches Abkommen mit ihm geschlossen.
 
Sie will nur sich selbst und ihr Land retten, deshalb trifft sie keine Vertreter der türkischen Presse oder Zivilgesellschaft.“ Dündar rief im Interview mit Bild die Bundeskanzlerin auf, sich mit ihm zu treffen, um zu bereden, «was die Regierung durch den «Flüchtlinge-Deal» mit der Stellung der Presse macht.»