Wahlkrimi bis zuletzt. Die Stichwahl am 22. Mai hat Österreich wie keine andere Wahl in der Geschichte in zwei Lager gespalten. Jetzt ist entschieden: Der unabhängige Kandidat für die Hofburg mit Grüner Unterstützung, Alexander Van der Bellen, ist Österreichs neuer Bundespräsident.

 


 
Der 72-jährige Wirtschaftswissenschafter und Ex-Grünen-Chef Van der Bellen war als formal unabhängiger, parteipolitisch aber von den Grünen unterstützter Kandidat angetreten, was ihm Kritik einbrachte. Van der Bellen erreichte im ersten Wahlgang der Bundespräsidentenwahl 2016 mit 21,34 Prozent der Stimmen den zweiten Platz hinter Norbert Hofer mit 35,05 Prozent.
 
Im zweiten Durchgang erhielt er auch Unterstützung von den NEOS und später von Teilen von SPÖ sowie ÖVP beziehungsweise von der unabhängigen Kandidatin Irmgard Griss. Zudem sprachen sind in seinem Personenkomitee auch zahlreiche Ex-Politiker, Wirtschaftsbosse sowie Prominente aus Kultur und Fernsehen für Van der Bellen aus.
 
Spannendster Wahlkrimi aller Zeiten
 
Die Stichwahl zwischen Van der Bellen und dem Favoriten Norbert Hofer entwickelte sich am Sonntag zum wohl spannendsten österreichischen Wahlkrimi aller Zeiten. Bei der Auszählung der Ergebnisse aus den Wahllokalen lag Hofer in den Hochrechnung zunächst mit 51,9 Prozent knapp vorne, bevor die Wiener Sprengel einen Vorsprung für Van der Bellen brachten.

 

Am Ende des Wahlsonntages lagen die beiden Stichwahl-Kandidaten in den ORF-Hochrechnungen bei jeweils 50 Prozent fast genau gleichauf. Erst die Auszählung der restlichen rund 470.000 Wahlkarten brachte die endgültige Entscheidung: Alexander Van der Bellen gewann die Wahl mit einem hauchdünnen Vorsprung von Stimmen im fünfstelligen Bereich vor seinem Konkurrenten Norbert Hofer.
 
Muss Präsident für alle werden
 
Der neue Bundespräsident steht nun vor einer großen Herausforderung. Nie zuvor hat ein Wahlkampf Österreich so scharf in zwei Lager geteilt. Seinem Anspruch, ein Bundespräsident für alle Österreicher zu sein, muss Alexander Van der Bellen nun gerecht werden, indem er auch die andere Hälfte des Landes von sich überzeugt. Zumindest einen Vorteil hat er: Er war immer der Stichwahl-Kandidat, der im (EU-)Ausland besser ankam.

 

Quelle: Heute