Die Wahl in Österreich hat auch dem letzten Träumer klargemacht: Wenn die Neue Mitte (also das »Volk«) gewinnen will, muss sie gegen die versammelte Alte Macht gewinnen. Und: Die instrumentalisierten Herolde der Alten Macht versuchen die Wahl selbst dann noch zum Sieg zu lügen, wenn sie längst verloren ist.

 

 

epa05323750 A TV shows the temporary results during a TV interview of Norbert Hofer of far right-wing Austrian Freedom Party (FPOe) and Independent presidential candidate Alexander Van der Bellen, supported by the Green Party, (both seen on screen) on the Austrian presidential elections run-off in Vienna, Austria, 22 May 2016. EPA/CHRISTIAN BRUNA |

 

 

So hatte der »Kandidat des Volkes« an diesem Sonntag laut Urne längst klar gewonnen: 51,9 Prozent hatten den Blauen Hofer, nur 48,8 Prozent den Grünen Van der Bellen gewählt. Die FPÖ lag also mit 3,1 Prozentpunkten vorn. Doch das österreichische Staatsfernsehen ORF schickte die Zuschauer ungeniert mit einem »Patt« ins Bett: 50 zu 50! Und das deutsche Staatsfernsehen ARD und ZDF hechelte natürlich eilfertig hinterher.

 

Selbst einen Tag später, also heute, machte sich die früher deutscheste aller deutschen Zeitungen, die FAZ, noch zur Gallionsfigur des Mainstream und posaunte mit riesigem Siegerfoto im Netz: »Wahlforscher erwarten hauchdünnen Vorsprung für Van der Bellen.« Da kann ja nichts mehr schiefgehen. Selbst wenn ‒ versehentlich ‒ ein paar Wahlkarterl verloren gehen sollten …

 

Die klaren Siegzahlen am Sonntag stammten nicht von irgendeinem obskuren Meinungsforscher ‒ die Zahlen kamen vom Innenministerium! Und da hatte man getan, was bei einer Wahl immer passiert ‒ man hatte die Stimmzettel aus den Wahlurnen gezählt. Und auf dieser tatsächlichen Basis jeweils Hochrechnungen gemacht.

 

Das ORF dagegen war (vorsorglich?) zweigleisig »gefahren«: Es ließ seine Hochrechnung von zwei Meinungsforschungsinstituten machen: von SORA für die Urnen ‒ von ISA für die Briefwahl. Dann vermischte der ORF die »tatsächlichen« Urnenergebnisse mit dem von ISA »geschätzten« Briefwahlergebnis.

 

Und plumps: Schon war das rettende »Patt« geschafft. Und der ORF-Moderator konnte immer wieder hör- und sichtbar Richtung Gutmenschen-Mainstream durchatmen. Schließlich bibberte er sogar eine Art Kopf-an-Kopf-Rennen in die Welt (rasend spannend), sogar mit wechselnden Führungsspitzen.

 

Mal lag der der junge Blaue mit dem Krückstock mit 50,2 Prozent vor dem knittrigen Professor (49,8 Prozent). Mal war es umgekehrt. Und sofort durfte eine Grüner-Klub-Frau mit klopfendem Herzen den »sensationellen Aufholerfolg« ihres Professore Zausels bejubeln. Irgendwann war es dann wohl FPÖ-Chef Strache doch zu bunt, und er argwöhnte: »Ich kenne die offiziellen Zahlen des Innenministeriums, und die sehen völlig anders aus, als der ORF sie präsentiert. Dort liegen wir bei 53,1 Prozent. Seltsam, seltsam!«

 

Natürlich erklärte der ORF ihm und dem Volk, das in Österreich noch nicht »Pack« heißt, gönnerhaft, warum der FPÖ-Mann leider etwas hinterm Mond sei. Sie, die Meinungsmonarchen, sind doch schon vieeel weiter ‒ wir haben die Briefwahl auch schon drin. Hach, sind wir nicht tolle Journalisten?! Und natürlich wurden die ORF-Kollegen von den »deitschen« TV-Kollegen von ARD, ZDF oder Phoenix unisono in Tonfall und Deutung »geteilt«. Und SPON (Spiegel Online) vermeldete noch am nächsten Tag (also heute): »Der Grund für die Differenz ist nicht ein angebliches Manipulationskartell der Medien, sondern ein Unterschied der Methodik … So ergibt sich die letzte Hochrechnung der ORF-Zahlen aus den tatsächlich ausgezählten Stimmen sowie aus einer Prognose der … Briefwählerstimmen … Die 800 000 Briefwählerkuverts werden (zwar) noch ausgezählt. Eine Schätzung wird in der ORF-Hochrechnung aber bereits berücksichtigt.«

 

Für Leute, die es ‒ wie die Grüne Claudia Roth ‒ mit Zahlen nicht so haben, auf schlicht Deutsch: »Ausgezählte Stimmen« gegen »Schätzung«. »Pack«-Wirklichkeit gegen Mainstream-Wunsch. Herbeigeflehtes Wunschergebnis: »Patt!« Gleichstand! Noch ist Österreich also nicht verloren. Wenigstens für eine Nacht. Ein Hundsfott, der unterstellt, dass man sich beim Zählen der Wahlkarterl auch verzählen kann …

 

Und prompt ging es (wieder einmal) auf Facebook »rund«, notierte Spiegel Onlineleicht pikiert. »Hört nicht auf die falschen ORF-Prognosen!«, schrieb ein Nutzer ‒ und bekam dafür rund 1000 »Gefällt mir«-Angaben«. Oder: »Was geht da ab im ORF?« Oder: »… dass der ORF die Frechheit besitzt, uns falsche Zahlen zu liefern … das ist ein Teil der westlichen Systemlügenpresse …« Oder: »Der ORF dreht und wendet die … Zahlen.«

 

Und Oswald Hicker postete am Sonntag um 19.39 Uhr auf Facebook: »Derzeit liegt Herr Hofer bei allen in den Wahllokalen abgegebenen Stimmen um 144 006 Stimmen vorne (Auszählstand 100 Prozent). Diese müsste VdB (Van der Bellen) bei den 885 437 Wahlkarten aufholen. Somit braucht Van der Bellen 16,26 Prozent Vorsprung bei den Wahlkarten. Das Wahlkartenergebnis müsste also grob 58 zu 42 Prozent für VdB ausgehen, damit er vorne läge.«

 

Man wird sehen.

 

 

Lehre 1

 

Wenn in Europa, vor allem in Deutschland, das »Pack«, also das Volk, eine Wahl wirklich gewinnen will, dann muss es die absolute Mehrheit holen. Grund: Die bisherigen Machthaber würden jeden Pakt mit jedem politischen »Teufel« eingehen, um an der Macht und damit an den Fleischtöpfen zu bleiben. In Österreich verbrüderten sich politische Todfeinde von Schwarz (ÖVP), Rot (SPÖ) und Grüne über Nacht, um die Mehrheit des Packs (Volk!), also die FPÖ, in die Schranken zu weisen. In Deutschland wird das spätestens seit den letzten Landtagswahlen »trainiert«: Grün/Schwarz in Baden-Württemberg, »Ampel« (Rot/Gelb/Grün) in Rheinland-Pfalz, »Kenia« (Schwarz/Rot/Grün) in Sachsen-Anhalt. Soll zeigen: Was nicht passt, wird passend gemacht …

 

Lehre 2

 

Der Mainstream, also die Meinungsmogule aus Presse, Funk und Fernsehen, genieren sich nicht, im Wahlkampf subkutan bis brachial Partei zu ergreifen ‒ im Zweifel immer gegen das »Pack«. In Österreich trommelten sie fast die komplette »Schickeria« aus Kunst und Kritik zusammen, lobten und lotsten sie Sänger, die aus dem Halse knödeln, und Autoren, die Bücher vollrödeln, in Talkshows und Blättern. Im Ziel vereint: Verhindert die Blauen. Denn dann geht erst Österreich unter. Und dann Europa. Und dann ‒ wieder einmal ‒ die ganze Welt. Dabei geht es den Menschen in Österreich, Deutschland, Frankreich, Polen, Slowakien, Ungarn, Litauen, Schweden und England nur um eines: Sie wollen für wichtige politische Entscheidungen konsultiert werden, sie wollen richtungweisende Entscheidungen erklärt bekommen, und sie wollen keine Muslime werden. Selbst wenn sie längst keine »richtigen« Christen mehr sind.

 

Lehre 3

 

Das deutsche NachrichtenmagazinCompact brachte es auf den entscheidenden Punkt: »Österreichwahl: Egal, wie es ausgeht ‒ Multikulti hat verloren«. Compact kämpft mit seinem Magazin ebenfalls gegen den etablierten Deutungsadel an und hat gerade den Erscheinungstag um zwei Tage auf den letzten Samstag des Monats zurückverlegt, um mehr Zeit für die Redaktion zu gewinnen. Das Blatt ist auch bisher schon sehr erfolgreich, obwohl es gegen den Wind segeln muss. Seit Dezember 2010 wurde bis April 2016 eine Auflage von 85 000 Exemplaren erreicht.

 

In der Tat: Wenn das »Pack« mit 50 Prozent gegen den mühsam zusammengekratzten »Rest« einer Republik aus Gauklern und Gutmenschen-Genossen aufsteht, dann braucht es nur noch einen kleinen Kick. »Mama Moslem« Merkel, die bei Sultan Erdowahn mal wieder den Kniefall übt, kann sich auf etwas gefasst machen …

 

 

Von Peter Bartels