Am vergangenen Wochenende haben die kurdischen Kämpfer gemeinsam mit ihren Verbündeten aus der von den USA angeführten Koalition eine Offensive gegen Rakka begonnen, wo das Hauptquartier des so genannten «Islamischen Staates» liegt, schreibt die «Nesawissimaja Gaseta» am Montag.

 

Am Freitag hatte die Pentagon-Sprecherin Michelle Baldans mitgeteilt, die USA hätten nicht vor, Rakka gemeinsam mit Russland zu befreien. Zuvor hatte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu erklärt, Moskau hätte Washington zur Vorbereitung eines gemeinsamen Einsatzes gegen die Terroristen in Rakka aufgefordert.

 

Zugleich betonte Schoigu, dass sich Moskau das Recht auf weitere Luftschläge gegen die Kämpfer vorbehalte, die den Waffenstillstand in Syrien nicht einhalten.

 

Die Amerikaner konzentrieren sich dagegen auf die Vorbereitung der so genannten gemäßigten Opposition, mit der sie jetzt offensichtlich gemeinsam bei Rakka vorgehen. Laut kurdischen Medienberichten hat der Chef des Zentralen US-Kommandos, Joseph Votel, Syrien besucht. Der US-Präsidentenbeauftragte in der Anti-IS-Koalition, Brett McGurk, machte kein Hehl daraus, dass General Votel in Syrien „im Rahmen der Vorbereitung der Offensive bei Rakka“ gewesen sei. Er soll dabei unter anderem die Städte Cobane und Kamischli nahe der Grenze zur Türkei besucht haben. In Kamischli liegt bekanntlich ein Militärflugplatz, den die syrischen Regierungstruppen kontrollieren. Ob sich Votel mit Vertretern des russischen Kommandos in Syrien traf, ist nicht bekannt. Laut Medienberichten hatten sich am Umbau des Flugplatzes Kamischli russische Spezialisten beteiligt.

 

Die Amerikaner haben in Syrien auch ihre eigene Infrastruktur. Noch im Januar hatten sie laut Medienberichten unweit von Kamischli, nahe der Stadt Ramalan (Provinz al-Hasaka) mehrere Fliegerstützpunkte vorbereitet. Dort liegt vermutlich auch der US-Stab, der nun die Rakka-Offensive leitet.

 

In den zentralen russischen Medien gibt es kaum Berichte über dieses Vorgehen der Amerikaner in Syrien. Einige Online-Meiden berichten allerdings, dass in die Nähe von Rakka diverse Kampftechnik sowie etwa 20 000 Kämpfer der so genannten Syrischen Demokratischen Front (SDF) verlegt worden seien, die von US-Instrukteuren ausgebildet worden seien. Den Kern der SDF-Kräfte bilden kurdische Selbstverteidigungskämpfer. Der SDF gehören aber auch ethnische arabische turkomanische, armenische und assyrische Abteilungen an.

 

Laut dem SDF-Pressedienst haben die Kämpfer bereits mehrere Orte auf dem Weg nach Rakka erobert. Inzwischen führen die IS-Kämpfer ihre Familien aus der Stadt heraus. Dabei haben sie den Einwohnern Rakkas verboten, die Stadt zu verlassen, was zu zahlreichen Opfern im Falle des Sturms führen könnte. Es ist aber unwahrscheinlich, dass die Koalition auf den Sturm verzichten wird, denn im Norden des syrischen Kurdistans, wo die Amerikaner Fuß gefasst haben, liegen viele Öl- und Gasfelder. Unwahrscheinlich ist auch, dass die regionalen Behörden auf die zentrale Regierung in Damaskus hören werden, denn die USA fordern seit langem Russland auf, den Präsidenten Baschar al-Assad aufzugeben. Gestern schloss sich auch der UN-Generalsekretär Ban Ki-moon diesem Aufruf an. Auf einem Wirtschaftsforum in Katar sagte er, die Konfliktseiten in Syrien müssten das Feuer unverzüglich einstellen und Verhandlungen über die Machtübergabe an andere demokratische Institutionen beginnen.

 

„Es ist unwahrscheinlich, dass der UN-Generalsekretär Washingtons Lobbyist ist“, sagte der russische Militärexperte Juri Netkatschew. „Aber Assads Rücktritt in einer Situation, in der Syrien von verschiedenen politischen Kräften und Staaten kontrolliert wird, könnte zum Zerfall des Landes führen.“ Netkatschew zeigte sich allerdings überzeugt, dass Moskau demnächst angemessene militärische und politische Maßnahmen ergreifen werde, um die legitime Regierung in Damaskus zu unterstützen und Syrien vor einem Zerfall nach dem „libyschen“ oder „irakischen“ Szenario zu bewahren.

 

Quelle: Sputniknews