Mehr NATO wagen, das wünscht sich der estnische Ministerpräsident Roivas. Weil man sonst nicht besonders viel von den Balten hört, schreien diese EU-Zwerge umso lauter nach der NATO im fiktiven Kampf gegen Russland. Die Furcht davor, dass die 25 Prozent der russischen Minderheit in Estland einen Anschluss an Russland wollen, ist unbegründet.
 
Der estnische Ministerpräsident Taavi Roivas fordert eine ständige Anwesenheit von NATO-Truppen im Baltikum. «Wir brauchen die durchgängige Präsenz von jeweils einem Bataillon der NATO in Estland, Lettland und Litauen», sagt er der «Welt». «Es darf keine Lücken geben. Abschreckung muss die neue Normalität sein.»

 

In der NATO-Russland-Gründungsakte von 1997 hat sich das Bündnis verpflichtet, keine substanziellen Kampftruppen dauerhaft in seinen osteuropäischen Mitgliedsländern zu stationieren. Bei ihrem Gipfel in Warschau will die NATO beschließen, dass Truppen der Allianz regelmäßige Übungen in den baltischen Staaten abhalten, sich dabei jedoch abwechseln.
 
Dazu erklärte Roivas: «Das geht in die richtige Richtung. Aber ich glaube, wir brauchen noch weitere Vereinbarungen.» Die Kontingente müssten keine dauerhaften Einrichtungen aufbauen und könnten «in gewisser Weise rotieren». «Aber sie müssen ständig präsent sein», so Roivas.
 
Hintergrund: Wie im Bürgerkriegsland Ukraine leben auch in den baltischen Staaten große russische Minderheiten. In Estland beträgt ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung etwa 25 Prozent. Vergangene Woche hatten britische Kampfflieger ein Flugzeug der russischen Luftwaffe über Estland abgefangen. Gleichzeitig kreuzen US-Kriegsschiffe in den Gewässern vor der russischen Küste herum.