Erst wurde es nur vermutet, mittlerweile ist die Gefahr real: Der IS nutzt Schmuggler-Routen nach Europa. Die libysche Polizei und ein Schlepper geben Auskunft.

 

Im Sommer versuchen wieder mehr Flüchtlinge und Migranten nach Europa zu gelangen – gerade von Libyen her, das mit seiner riesigen, unbewachten Küste ein wahres Schlepperparadies darstellt. Doch mit den Flüchtlingen kommen auch die Terroristen des «Islamischen Staates» (IS).

 

Der IS versucht, die Schmuggler-Routen zu infiltrieren, um seine Gefolgsleute in Europa einzuschleusen. «Sie reisen mit ihren Familien, ohne Waffen bei sich zu tragen, als normale Migranten», sagt Oberst Ismail al-Shukri, der für den libyschen Militärgeheimdienst in der Hafenstadt Misrata tätig ist, zu CNN International. «Um keinen Verdacht zu erregen, tragen sie westliche Kleidung und haben englischsprachige Papiere bei sich.» Die Gefahr für Europa sei sehr real, so der Oberst.

 

«Ob IS-Kämpfer oder nicht, ist unbedeutend»

 

Ein Schlepper erzählte CNN-Korrespondent Nick Paton Walsh, dass ein IS-Mitglied ihm 40’000 Dollar geboten habe, um 25 seiner Männer auf einem kleinen Boot nach Europa zu bringen. Der Mann hat nach eigenen Angaben abgelehnt – sagt aber, dass das nicht jeder machen würde: «Schmuggler interessiert nur der Handel. Ob IS-Kämpfer oder nicht, ist dabei nicht von Bedeutung. Das Einzige, was zählt, ist das Geld.»

 

CNN-Journalist Walsh sprach auch mit afrikanischen Migranten, die vor Terroristen in ihrem Heimatland geflohen waren. «Kämpfer von Boko Haram haben meinen Vater und meinen Bruder getötet», erzählt ein Mann aus Nigeria. «Ich bin daheim nicht mehr sicher. Ich wollte nur noch raus.»

 

IS erschiesst kampfunwillige Zivilisten

 

Während in Nordafrika IS-nahe Gruppierungen die Menschen zur Flucht bewegen, setzt der IS in seinem Kernland noch einen drauf. Wie jetzt bekannt wurde, tötet die Terrormiliz nach UNO-Angaben in der umkämpften irakischen Stadt Falludscha immer mehr Zivilisten, die nicht für sie kämpfen wollen.

 

Es gebe Berichte über einen «dramatischen Anstieg» von Opfern unter Männern und männlichen Jugendlichen, meldete die UNO-Flüchtlingsorganisation (UNHCR) am Freitag.