Athen tritt gegen eine automatische Verlängerung der gegen Russland verhängten Sanktionen ein, alle EU-Länder sollten ihre Pro- und Contra-Argumente erläutern, sagte der griechische Vize-Außenminister Nikos Xydakis in einem Interview mit Sputnik.

 

„Der erste Schritt, den wir unternehmen müssen, ist, den zeitweiligen und politischen Umständen, unter denen diese Sanktionen verhängt worden waren, erneut auf den Grund zu gehen und diese zu erörtern. Heute befinden wir uns nicht an demselben Punkt, an dem wir waren, als die ukrainische Krise ausgebrochen war. Seitdem gab es viele Ereignisse. Es wurde eine Vereinbarung über den Rahmen einer Koexistenz erreicht und ein Plan für weitere Schritte ausgearbeitet. Alle müssen akkurat, objektiv und gemäß den Minsker Vereinbarungen handeln“, sagte der ranghohe Diplomat.

 

Er verwies darauf, dass ein erheblicher Teil der Handelsbeziehungen der EU-Länder auf Russland entfällt, darunter im Energie-Bereich.

 

„Russland ist der wichtigste Energie-Spender für Europa, und Russland hat seinerseits große Handelsinteressen in vielen europäischen Ländern“, sagte Xydakis.

Der griechische Diplomat ist überzeugt, dass das „Einfrieren“ der Beziehungen zwischen Russland und dem Westen, das derzeit zur Geltung kommt, beiden Seiten einen Schaden zufügt. „Ich glaube, dass wir diese Situation akkurat und zurückhaltend betrachten und auf den Gedanken kommen müssen, wie unsere Beziehungen wieder in Gang gesetzt werden können“, hob er hervor.

 

Auf die Frage, ob Griechenland vorhat, die Annahme eines weiteren Maßnahmenpakets gegen Russland zu blockieren, antwortete Xydakis:

 

„Es geht aber genau um das Gegenteil: wie wir die Situation in Gang bringen und von einer automatischen Verlängerung zum sachlichen Gespräch und der Erörterung übergehen können. Es ist notwendig, dass alle Seiten ihre Argumente erläutern, also die Länder, die für die Verlängerung der Sanktionen und die für ihre Aufhebung und für „ein Aufwärmen“ der Beziehungen mit Russland eintreten. Dann werden die Argumente für sich sprechen.“

Zuvor hatte der ungarische Außenminister Péter Szijjártó eine ähnliche Erklärung abgegeben. Er unterstrich, dass sein Land „eindeutig keine automatische Entscheidung zur Verlängerung der Sanktionen treffen wird“. „Wir wollen eine Diskussion auf hoher politischer Ebene», sagte Szijjártó.

Über den Vorschlag einer stufenweisen Aufhebung der Russland-Sanktionen nachzudenken, versprach Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier bei den „Potsdamer Begegnungen“ des Deutsch-Russischen Forums in Berlin. Er verknüpfte diesen Prozess mit den Fortschritten bei der Umsetzung der Minsker Vereinbarungen zur Ukraine.

 

Die Frage der Sanktionen wird am 28./29. Juni auf dem EU-Gipfel erörtert.