Die Annahme der Armenien-Resolution durch den deutschen Bundestag wird die türkisch-deutschen Beziehungen nicht von heute auf morgen zerstören, wie Ministerpräsident Binali Yildirim einen Tag nach der Abstimmung sagte.

 

„Deutschland und die Türkei sind zwei sehr wichtige Verbündete“, betonte Yildirim laut der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu.

 

Zudem hätten nur etwa 250 der insgesamt 650 Bundestagsabgeordneten an der Abstimmung über die Völkermord-Resolution teilgenommen. Die Türkei wird ihrem Premier zufolge eine „angemessene Antwort» finden, das enge Verhältnis zu Deutschland aber nicht aufs Spiel setzen.

 

„Niemand sollte erwarten, dass sich unsere Beziehungen zu Deutschland durch diese oder ähnliche Entscheidungen von heute auf morgen völlig verschlechtern“, sagte Yildirim.

Am Donnerstag hatte der Bundestag fast einstimmig die Massaker und Massenvertreibungen an den Armeniern 1915 als Völkermord eingestuft. Die von CDU-CSU, SPD und den Grünen eingebrachte Resolution war mit einer Gegenstimme und einer Enthaltung angenommen worden.

 

Ankara hatte außerdem direkt nach der Abstimmung seinen Botschafter in Berlin, Hüseyin Avni Karslioglu, zu Beratungen abgezogen. Wenige Stunden vor der Abstimmung im Bundestag hatte Premier Binali Yıldırım diese noch als einen „Freundschaftstest“ zwischen Berlin und Ankara genannt.

 

Die Türkei erkennt den Genozid an den Armeniern nicht an und hatte Deutschland vor der Annahme der Resolution gewarnt. Der türkische Präsident Erdogan sagte, die Armenien-Resolution werde das Verhältnis zu Deutschland ernsthaft belasten.

 

Im Jahre 1915 waren 1,5 Millionen Armenier bei Massakern und Deportationen im damaligen Osmanischen Reich ums Leben gekommen. Die Türkei als Rechtsnachfolgerin des Osmanischen Reiches bestreitet den Genozid, den allerdings bereits viele Staaten anerkannt haben. Armenien bemüht sich um eine internationale Anerkennung des Massakers als Völkermord. Der Streit belastet bis heute die Beziehungen zwischen Eriwan und Ankara.