Angesichts der Völkermord-Resolution des Deutschen Bundestags teilt der türkische Präsident ordentlich aus. Deutschland sei «das letzte Land», das über einen «sogenannten Völkermord» der Türkei abstimmen solle.
 
Politisch motivierte Resolutionen zu historischen Vorgängen sind ohnehin ein Unding, zumal sich Historiker-Kommissionen mit solchen Themen befassen sollen und nicht Politiker. Der Deutsche Bundestag hat sich trotzdem zu einer Völkermord-Resolution bezüglich der Armenier im Osmanischen Reich hinreißen lassen und damit für eine erhebliche Verschlechterung der Beziehungen mit der Türkei gesorgt.

 

Präsident Erdogan, bekanntermaßen ein großer Fan des Osmanischen Reiches, sagte laut der Nachrichtenagentur Anadolu, dass Deutschland «das letzte Land» sei, welches über einen «sogenannten Völkermord» in der Türkei abstimmen solle. Zunächst einmal solle Deutschland selbst Rechenschaft über den Holocaust und über die Vernichtung von über 100.000 Herero in Deutsch-Südwestafrika Anfang des 20. Jahrhunderts ablegen. Offenbar ist ihm entgangen, dass die Bundesrepublik seit vielen Jahrzehnten einen enormen Schuldkult bezüglich der Vernichtung von unzähligen Juden, Zigeunern, Behinderten und anderen Gruppen fröhnt und dies mit enormen finanziellen Leistungen ergänzt.
 
Erst am Samstag übte Erdogan heftige Kritik daran, dass die Massaker an den Armeniern vor rund 100 Jahren von den deutschen Politikern als Genozid eingestuft wurden und dabei insbesondere die türkischstämmigen (bzw. teils kurdischstämmigen) Politiker der Bundesrepublik scharf angegriffen. Laut Anadolu warf er ihnen vor, der (sowohl in der Türkei als auch in Deutschland) verbotenen separatistisch-kommunistischen PKK als verlängerter Arm zu dienen.

 

«Es ist sowieso bekannt, wessen Sprachrohr sie sind», sagte Erdogan in Richtung der Abgeordneten. «Von der separatistischen Terrororganisation in diesem Land sind sie die Verlängerung in Deutschland.»