Vier von fünf Flüchtlingen haben neuen Zahlen zufolge keine Ausweispapiere dabei. Auch gefälschte Dokumente seien an der Tagesordnung. Zudem offenbart eine Prognose, wie viele Familiennachzügler noch in Deutschland erwartet werden.

 

Die Mehrheit der illegal nach Deutschland eingereisten Migranten ist im Frühjahr 2016 ohne Papiere ins Land gekommen. Das belegen neue Zahlen der Bundespolizei, die der „Bild“-Zeitung vorliegen. Demnach waren „rund 80 Prozent“ der von Januar bis April festgestellten Migranten nicht im Besitz eines erforderlichen Passdokuments. Das sind bei 114.255 von der Bundespolizei an der Grenze aufgegriffenen Migranten etwa 91.000 Flüchtlinge ohne Papiere.

 

Von Januar bis März 2016 stellten die deutschen Grenzbehörden nach „Bild“-Informationen zudem 1.306 gefälschte Grenzübertritts-Dokumente bei Flüchtlingen fest, davon 145 bei Syrern. Im gesamten Jahr 2015 fanden deutsche Polizeibehörden insgesamt 4.973 gefälschte Ausweisdokumente bei illegal eingereisten Migranten in Deutschland, davon 834 gefälschte Ausweise bei Syrern. Und in den ersten vier Monaten des Jahres 2016 waren weit mehr als 4.000 eingereiste Personen bei der Polizei zur Fahndung ausgeschrieben.

Darüber hinaus muss Deutschland laut einer Prognose des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) aufgrund des Familiennachzugs mit Hunderttausenden weiteren Flüchtlingen rechnen. Sie würden vor allem als Ehegatten, Kinder oder Eltern unbegleiteter Minderjähriger aus Syrien in die Bundesrepublik kommen, heißt es in einem Dokument der Behörde, das der „Süddeutschen Zeitung“  vorliegt.

 

Diese Entwicklung werde sich zwar über viele Monate hinziehen. Wenn man Faktoren wie Alter, Kinderzahl und schon mitgereiste Angehörige aber berücksichtige, sei damit zu rechnen, dass im Durchschnitt für jeden anerkannten syrischen Flüchtling ein Angehöriger dazukommen werde.Laut Ankunftsstatistik des Bamf kamen 2015 etwa 428.000 Syrer nach Deutschland; in den ersten fünf Monaten dieses Jahres waren es knapp 72.000. Entsprechend muss mit bis zu 500.000 Flüchtlingen zusätzlich gerechnet werden, schreibt das Blatt in seiner Mittwochausgabe.

 

Die Bamf-Experten widersprechen laut dem Bericht zufolge zugleich jenen Prognosen, die in den vergangenen Monaten schon eine Verdreifachung oder Vervierfachung der Flüchtlingszahl durch den Familiennachzug vorausgesagt hatten. Gleichzeitig betonten sie aber, dass auf die Sozialkassen zusätzliche Aufgaben zukämen. Allerdings verwiesen die Autoren darauf, dass durch „eine erhebliche zeitliche Verzögerung beim Familiennachzug“ die Wirkung nur schrittweise eintreten werde.

 

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