Der am Mittwoch präsentierte russische Passagierjet MS-21 soll laut Experten billiger und schneller sein als die westlichen Pendants. Wenn alles klappt, bekommt der russische Hersteller Irkut gute Marktchancen bei der Konkurrenz mit Boeing und Airbus. Der Erstflug soll bereits vor Jahresende stattfinden.

 

Der russische Luftfahrtexperte Roman Gussarow sagte der Onlinezeitung vz.ru im Hinblick auf das Rollout im sibirischen Irkutsk: „Die MS-21 ist das erste Projekt zur Entwicklung eines Verkehrsflugzeugs im postsowjetischen Russland. Bislang haben wir von den sowjetischen Entwicklungen gelebt. Nun endlich sind wir einem eigenen Produkt gewachsen.“

 

Als Hauptkonkurrenten der russischen Maschine gelten der Airbus A319neo und die Boeing 737 MAX mit ihren modernisierten Triebwerken. Die MS-21 soll im Verhältnis zu ihnen sogar effizienter sein, dabei aber billiger, wie der russische Branchenexperte Oleg Pantelejew sagte.

 

Die Reisegeschwindigkeit der MS-21 beträgt 870 km/h – höher als bei den beiden Konkurrenten. „Vom Treibstoffverbrauch her hat die MS-21 das gleiche Triebwerk wie der A320neo, ist aber leichter. Auch ihre Tragflächen sind besser in Bezug auf die aerodynamischen Parameter. Dies ermöglicht dem russischen Flugzeug zusätzliche Vorteile“, so Pantelejew.

 


Der im Katalog angegebene Preis für eine MS-21 beträgt 85 Millionen US-Dollar. Ein Airbus A319neo kostet 97,5 bis 124,4 Millionen Dollar je nach der Modifikation. Für eine Boeing 737 MAX sind 90,2 bis 116,6 Millionen Dollar zu bezahlen. Der Schadstoff-Ausstoß ist beim russischen Jet um mehr als 20 Prozent niedriger als bei den Pendants.

 

Der MS-21-Rumpf hat laut Pantelejew außerdem einen 0,1 Meter größeren Durchmesser – deswegen ist auch der Durchgang zwischen den Sitzen breiter. Die Konstruktion der inneren Räume soll ein schnelleres Aufräumen ermöglichen – und damit eine schnellere Vorbereitung auf den nächsten Flug. „Einige Minuten, die jedes Flugzeug während des Verbleibs am Flughafen sparen kann, machen einen ernsthaften  Vorteil für große Fluggesellschaften aus. Multipliziert man diese Minuten mit mehreren Dutzend Maschinen (unter Berücksichtigung, dass die MS-21 schneller fliegt als ihre Konkurrenten), so stellt es sich heraus, dass die Fluglinien mehr Arbeit mit weniger Flugzeugen leisten können“, prognostizierte Pantelejew.

 

Ein besonderer Trumpf der MS-21 ist die Verwendung moderner Verbundwerkstoffe, die rund 40 der Konstruktion ausmachen – darunter auch die Tragflächen. Pantelejew erläutert: „Zwar haben etwa die Boeing-787 Dreamliner und der А350 ebenfalls Tragflächen aus Verbundwerkstoffen, doch die Technologie ist anders. Die MS-21-Technologie ist billiger und ermöglicht leichtere Flügel.“

 

Im Moment liegen bereits Aufträge für insgesamt 175 Maschinen vor und dazu noch 100 Kaufoptionen. Zu den Auftraggebern zählen die russischen Fluglinien Aeroflot, UTair und Red Wings. Aber auch ausländische Fluggesellschaften zeigen Interesse. Sechs Flugzeuge wurden bereits von der ägyptischen Cairo Aviation bestellt.

 

Um Maschinen ins Ausland zu liefern, braucht der russische Hersteller Irkut eine europäische Zulassung. Diese soll laut Gussarow bis zum vierten Quartal 2018 erteilt werden. Vorerst bereitet man sich auf den Erstflug vor, der im laufenden Jahr stattfinden soll. Im Jahr 2017 geht die Maschine voraussichtlich in Serie.

 

Nach Ansicht von Pantelejew sind Irkut und der chinesische Hersteller Comac mit seiner C919 in der Lage, eine Marktnische im Konkurrenzkampf gegen Airbus und Boeing zu bekommen: „Flugzeuge von dieser Größe machen einen riesigen Markt aus, der weiter zunimmt. Deshalb können sowohl die MS-21 als auch der chinesische Jet ihren Platz finden. Insgesamt gibt es derzeit mehr als 350 Maschinen von dieser Größe weltweit. Alle Fluglinien sind daran interessiert, dass ein dritter Hersteller kommt und das bestehende Monopol stört. Wenn dieser Hersteller ein gutes Produkt anbietet, wird er sowohl die Situation am Markt verbessern als auch seinen Profit haben.“

 

Quelle: Sputniknews