Experten zufolge kann das Chaos in Syrien sich schnell in Richtung Zentralasien verbreitet. Als besonders gefährdet gilt Kasachstan, wo die Unruhen durch einen islamistischen Terroranschlag in der Stadt Aktobe am 6 Juni ihren Höhepunkt erreichten. Präsident Nursultan Nasarbajew spricht vom Versuch einer „bunten Revolution“ durch den Westen.

 

Die wachsenden Unruhen im zentralasiatischen Binnenstaat Kasachstan könnten in wenigen Wochen das ganze Land befallen und sich in der kompletten Region ausbreiten. Der amerikanische Politikwissenschaftler George Friedman geht von dieser Befürchtung aus. Auf Geopolitical Futures knüpft er an die wachsenden Unruhen an, dessen Höhepunkt der Terroranschlag vom 5 Juni ist, wo mehrere Menschen ums Leben gekommen sind.

 

   

 
Internationalen Quellen zufolge ereignete sich der Anschlag auf einer Militärbasis. Unter Berufung verschiedener Medien bekannte sich laut Sputnik sich die „Befreingsarmee Kasachstan“ zu den Anschlägen. Insgesant sollen sechs Militärs und Zivilisten ums Leben gekommen sein. Es gab insgesamt 38 Verletzte und 13 Terroristen wurden bei den Gefechten erschossen. Kasachstans Inlandsgeheimdienst KNB dementierte später die Existenz einer „Befreiungsarmee Kasachstans“, Polizeiangaben zufolge soll es sich bei den Angreifern um Anhänger „nichtraditioneller religiöser Strömungen“ handeln. Später verkündete das nationale Sicherheitskomitee in Astana eine 40tägige Terrorwarnung.    

 

 

Präsident Nasarbajew geht von einer „bunten Revolution“ aus und mehrere Quellen zuvor berichteten bereits, dass ein Regime-Wechsel in Kasachstan geplant sei. Bereits im Januar soll der Unternehmer Tochtar Tuleschow wegen Unterstützung einer kriminellen Vereinigung und wegen Drogenbesitz festgenommen worden sein. Dieser soll im Frühjahr die Proteste gegen eine Novellierung Bodengesetzbuches finanziell unterstützt haben. Über die Vorgänge in Westkasachstan gibt es verschiedene Versionen und angelsächsische Medien warnen vor „Verschwörungstheorien“, wie beispielsweise der Economist.

 

 

 

Das „Filetstück“ im Eurasischen Balkan

 
Westliche Leitmedien sehen die Ursachen bei der Regierung und führen die Unruhen auf die ökonomische Lage zurück. Für die Vermutungen der Regierung mangle es an Beweisen, wie deutsche Medien unter anderem die Vorgänge im Westen des Landes beschreiben. Allerdings sollen nach Ansicht des Politologen Jewgeni Minschenko die Vorgänge im westlichen Teil Kasachstans an die Anfänge des „arabischen Frühlings“ erinnern. Kreml-Sprecher Dmitry Peskow sieht in den Vorgängen eine „innerstaatliche Angelegenheit“ und betonte, dass Russland keine verschärften Kontrollen an der 7000 Kilometer langen Grenze zu Russland geben werde.
 
Anhaltspunkte für Bestrebungen einer „fünften Kolonne“ soll es Zeitungsberichten zufolge auch in Kirgistan gegeben haben. Mitte April berichtete die kirgisische Zeitung „Delo Nr“, dass die die ukrainische Fluggesellschaft Antonov Airlines mehr als 150 Tonnen „unbekannte Güter“ in die Hauptstadt Bischkek gebracht hätte. Die Fracht soll demnach als „Diplomatenpost“ von Mitarbeitern der US-Botschaft abgeholt worden sein, berichtet ein Nutzer auf Sputnik.
 
Geopolitisch betrachtet haben die USA seit dem Zerfall der Sowjetunion das Rohstoffreiche Kasachstan auf der politischen Speisekarte stehen, die den Anspruch der USA als einzige Weltmacht sichern soll. Kasachstan ist von seiner Landesfläche her gemessen der neungrößte Staat der Erde und mit 17 Millionen Einwohnern sehr dünn besiedelt. Die Republik Kasachstan erklärte sich am 16 Dezember 1991 für unanhängig. Dennoch ist Kasachstan sowohl wirtschaftlich als auch militärisch mit Russland eng verbunden.
 


 

Kasachstan ist Mitglied der Gemeinschaft unanhängiger Staaten (GUS), der Eurasischen Wirtschaftsunion und in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit. Die Republik Kasachstan pflegt insoweit enge wirtschaftliche Beziehungen mit Russland, China und den benachbarten Staaten Usbekistan, Kirgistan und Taschiskistan. Im Rahmen der Organisation des Vertrags über Kollektive Sicherheit (OVKS) ist der Binnenstaat mit Russland, Armenien, Kirgistan, Tadschikistan und Weissrussland in einem Militärbündnis.
 

Alleine schon die Außenpolitik und die engen Verbindungen machen Kasachstan und seine Nachbarstaaten anfällig für einen US-geführten „Regime-Change“, wie er in der arabischen Welt bereits durchgeführt wurde. Und der US-Globalstratege Zbigniew Brezinski widemete dem Eurasischen Balkan um Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan und weiteren Ländern ein ganzes Kapitel in seinem 1997 erschienenen Buch „Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie zur Vorherrschaft“, wo die Geostrategie der USA mit dem Ziel als einzige und letzte Weltmacht nach dem Zerfall der Sowjetunion beschrieben wird.
 

Die vielen Rohstoffe, Pipelines und natürlich die 7000 Kilometer lange Grenze zu Russland machen Kasachstan zu einem „Filetstück“ im Eurasischen Balkan. Der ethnische Hexenkessel in der Region eignet sich militärpolitisch betrachtet für einen hybriden Krieg, der Elemente der asymetrischen Kriegsführung mit sich bringt. Insoweit sind die Befürchtungen von Präsident Nasarbajew nicht ganz unbegründet. Ein Schelm, wer bei diesem Foto böses denkt.
 

 
Von Christian Lehmann
 
 

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