Der serbische Premier Alexandar Vucic hat die für den Beginn dieser Woche geplanten Besuche in Brüssel und den USA abgesagt und dem Westen indirekt vorgeworfen, in Serbien Chaos zum Sturz seiner Regierung zu stiften, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Sonntag.
 

In den serbischen Medien waren Informationen über die Pläne zum Bau eines russischen Militärstützpunktes nahe Belgrad aufgetaucht. In Serbien wird von einer ernsthaften Krise in den Beziehungen mit dem Westen und einer Wende in Richtung Russland gesprochen. Allerdings meinen serbische Experten, dass der serbische Premier diese Gerüchte nutzt, um größere Unterstützung durch den Westen zu bekommen.

 

Alexandar Vucic sollte Ehrengast des ersten Fluges auf der Strecke Belgrad-New-York von Air Serbia sein und sich mit der US-amerikanischen UN-Botschafterin Samantha Power treffen. In Brüssel waren Verhandlungen mit der EU-Spitze geplant. Allerdings wurde die Reise des serbischen Premiers ohne jegliche Erklärungen abgesagt.

 

Medienangaben zufolge ist Vucic mit den neuen Forderungen der Europäischen Union für die Verhandlungen über den EU-Beitritt Serbiens unzufrieden. Diesen Grund bestätigte, zumindest indirekt, der serbische Außenminister Ivica Dacic. „Es ist nicht richtig, dass die Anstrengungen Serbiens auf dem europäischen Weg nicht im angemessenen Ausmaß respektiert werden“, sagte Dacic.

 

Zudem warf Vucic dem Westen indirekt vor, in Serbien Chaos stiften zu wollen, um die Führung des Landes zu stürzen. Diese These taucht ab und zu in den serbischen Medien auf, die über Antiregierungsproteste in der serbischen Hauptstadt berichteten. Doch bislang wurde sie vom Premier einfach ignoriert. In der vergangenen Woche nahm er Stellung zu den Vorwürfen gegen den Westen: „Was gibt es da Neues?“

 

Das alles löste im Westen Besorgnis aus. Der US-amerikanische Botschafter in Serbien, Kyle Scot, und der Chef der EU-Delegation in Belgrad, Michael Davenport, baten dringend um ein Treffen mit dem serbischen Premier. Nach dem Gespräch teilte Vucic mit, dass es normal verlief, es aber Meinungsverschiedenheiten gab.

 

Die einflussreiche serbische Zeitung „Blic“ schrieb über die Pläne Serbiens, Russland die Einrichtung eines Militärstützpunktes neben dem bereits existierenden humanitären Zentrum in Nis zu erlauben. Für diesen Stützpunkt soll der alte Flugplatz Ecka rund 50 Kilometer nördlich von Belgrad umgerüstet werden. Dort soll ein Übungszentrum und ein Gelände für das Training von Notsituationen errichtet werden. Diese Fragen sollen beim Belgrad-Besuch des russischen Regierungschefs Dmitri Medwedew im Herbst besprochen werden.

 

In Serbien wird von einer ernsthaften Krise in den Beziehungen mit dem Westen und einer Wende in Richtung Russland gesprochen. Laut dem serbischen Experten Bosko Jaksic handelt es sich um die größte Krise in den Beziehungen zum Westen seit dem Amtsantritt von Vucic. Nach der Rückkehr des Premiers aus Moskau, wo auf diplomatische Weise die Forderungen Russlands vermittelt wurden, Personen in die serbische Regierung aufzunehmen, die die Interessen der russisch-serbischen Beziehungen verteidigen würden, hätten sich Beziehungen zwischen Belgrad und dem Westen verändert, so der Experte.

 

Der Moskau-Besuch des serbischen Premiers am 26. Mai verlief beinahe geheim. Offiziell hieß es in Belgrad, dass es sich um eine private Visite handelt und Vucic wegen seines zu hohen Blutdrucks mit russischen Ärzten sprechen will. Allerdings traf er sich bei diesem „privaten Besuch“ mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Der äußerte dabei die Hoffnung, dass die neue serbische Regierung der Entwicklung der Beziehungen zwischen Russland und Serbien größere Aufmerksamkeit schenken werde. Viele serbische Politiker und Experten bezeichneten diesen Wunsch des Kremls als Bedingung für Hilfe an Serbien. Die Kritik des serbischen Premiers am Westen sei die Folge der neuen Ausrichtung Serbiens auf Moskau.

 

Allerdings schließen serbische Experten nicht aus, dass die negativen Gesten gegenüber der EU und den USA nur ein Spiel seien. „Vucic will vielleicht vor dem Westen als gekränkter Politiker auftreten, der bereit ist, auf einen Annäherungskurs mit der EU zu verzichten, um mehr Aufmerksamkeit der westlichen Partner auf sich zu ziehen“, so der Chefredakteur der serbischen Nachrichtenagentur „Beta“, Ivan Cvejic.

 

 

Quelle: Sputniknews