Die russische Regierung erwägt die Bildung von Freihandelsräumen mit insgesamt zwölf Ländern außerhalb der Eurasischen Wirtschaftsunion, schreibt die Zeitung „Iswestija“ am Montag.
 
Es geht um die Intensivierung der Handelskontakte mit Ägypten, Israel, Indien, China, Indonesien, dem Iran, Kambodscha, Südkorea, Venezuela, Nicaragua, Peru und Chile. Dabei müsse Moskau allerdings die Interessen seiner jetzigen Partner in der Eurasischen Wirtschaftsunion, nämlich Weißrusslands, Kasachstans, Armeniens und Kirgisiens, berücksichtigen, sagte ein Sprecher des russischen Wirtschaftsministeriums. Denn es gehe um eine sehr tiefe gegenseitige Liberalisierung im Bereich des Handels mit Waren und Dienstleistungen, bei der Investitionskooperation (…), „und deshalb müsste die mögliche Wirtschaftsintegration außerhalb des postsowjetischen Raums nicht nur den aktuellen, sondern auch den strategischen Interessen der nationalen Geschäftskreise und der nationalen Wirtschaft entsprechen“, so der Sprecher. „Denn die Unterzeichnung solcher Abkommen verändert die Bedingungen für den Zugang zum Binnenmarkt: Es werden Zollgebühren und Steuern abgeschafft, wie auch Beschränkungen für Warenmengen.“

 

„Wir müssen den gesamten Komplex der Interessen und Risiken berücksichtigen, die mit einer tiefgehenden gegenseitigen Liberalisierung verbunden sind, darunter auf Gebieten, für die die Maßnahmen zur Regelung der Unternehmenstätigkeit und des Handels gelten“, so die Quelle im Wirtschaftsministerium.

 
Einer der Gründe für diese Expansion könnte die Vereinbarung zwischen den USA und Japan auf der einen Seite und elf anderen Ländern auf der anderen Seite über die Bildung eines großen Handelsbündnisses sein. Nach Auffassung Washingtons sollte die Transpazifische Partnerschaft den wirtschaftlichen Einfluss Chinas und seiner Partner in der ASEAN und im Asien-Pazifik-Raum einschränken. Experten zufolge könnte das neue Handelsbündnis bis zu 40 Prozent des globalen Handels kontrollieren. Russland ist in diesem Bündnis selbstverständlich nicht willkommen.

 

Der Vizepräsident des Russischen Industriellen- und Unternehmerverbandes, Alexander Murytschew, findet allerdings, dass Russland weniger auf die Initiative Washingtons reagiere, sondern sich vor allem um seine eigene Entwicklung bemühe. „Diese Initiative wurde im Rahmen der Eurasischen Wirtschaftsunion geäußert. Man muss nicht allzu intensiv nach neuen Handelspartnern suchen. Für den Anfang müsste man die inneren Handelskontakte vertiefen und entwickeln. Das ist allerdings ein richtiges Entwicklungsprogramm, und derzeit wird nach potenziellen Partnern gesucht, die loyal gegenüber Russland sind und mit denen Russland Handelserfahrungen hat, um den Handelsumsatz und die gegenseitigen Investitionen auszubauen sowie neue Produktionsstätten zu bilden“, so der Experte. „Wir haben etwas, was wir (unseren Partnern) im Rahmen des freien Handels anbieten könnten.“

 

Das erste internationale Dokument über die Bildung eines Freihandelsraums zwischen der Eurasischen Wirtschaftsunion und einem dritten Land war das Abkommen mit Vietnam im Mai 2015.

 

 

Quelle: Sputniknews