Stratfor-Gründer George Friedman befasste sich diese Woche mit der künftigen US-Politik in Syrien. Während der Einsatz der russischen Streitkräfte in Syrien sich auf Friedensverhandlungen weiter ausgedehnt hat, soll es laut Friedman interne Proteste gegen den aktuellen Kurs der US-Außenpolitik geben. Vor allem aber wirft der Geopolitik-Experte die Frage auf, welche Politik einem möglichen Assad-Sturz folgen soll.

 

Politikwissenschaftler George Friedman kennt die US-Politik wie kaum ein anderer. Der Stratfor-Gründer hat mit seinen strategischen Vorhersagen fast 20 Jahre lang die amerikanischen Staate Departements beraten. Auf seinem neuen Portal Geopolitical Futures befasst sich Friedman mit dem künftigen Weg der US-Außenpolitik in Syrien. Es ist kein Geheimnis, dass die USA nach wie vor die syrische Regierung sowie Präsident Bashar al-Assad stürzen will. Aber was soll nach Assads Sturz folgen? Der komplette Reality-Check sowie eventuelle Lösungsmöglichkeiten sind auf Geopolitical Futures abrufbar.

 


 

Offiziell bekämpfen die USA auf der einen Seite den internationalen Terrorismus, speziell gegen den islamischen Staat IS, auf dem syrischen Gebiet. Auf der anderen Seite ist die Assad-Regierung seit Jahren ein Problem für die USA. Alle drei Parteien führen jeweils Krieg gegeneinander. Russland und die Türkei spielen laut Friedman ihr eigenes Spiel in Syrien und sind keine Konfliktpartei der Amerikaner.

 

Künftig werde die USA in Syrien vor dem gleichen Problem stehen, wie im Irak oder in Lybien, wo der gewollte „Regime-Wechsel“ erfolgreicher verlief. In Syrien tobt seit über 4 Jahren ein Bürgerkrieg, wo zunächst die oppositionellen Gruppen wie der Al-Kaida-Ableger „Al-Nusra“ sowie die „Freie Syrische Armee“ gegen Assads Regierungstruppen kämpfen. Nun sind mit ISIS und anderen Gruppierungen weitere Konfliktteilnehmer hinzugekommen, die laut Friedman die Lage nur komplizierter machen.

 

Die internen Protestler in den USA fordern indes keine weiteren Luftangriffe, sondern sofortige Teilnahme an Verhandlungen zum Waffenstillstand. Man habe erkannt, dass man nicht gleichzeitig die Opposition und das vermeintliche „Assad-Regime“ bekämpfen kann und zugleich das Chaos beenden, das seit den Unruhen 2011 ausser Kontrolle geraten ist.

 

Generell soll die USA sich künftig darauf konzentrieren die gefährlichste Feindesmacht zu bekämpfen, resümiert Friedman. Der US-Wissenschaftler sieht zwar in der Regierung von Assad ein Regime, welches bereits unter Hafez al-Assad über 30 Jahre lang jede Opposition im Lande unterdrücke, allerdings sei Assad kein „Stalin“, so Friedman am Ende.

 

Auch wenn Friedman eine pro-amerikanische Position hier einnimmt, so verzichtet er im Gegensatz zu seinen Deutschen Kollegen auf falsche Anschuldigungen gegen Russland und analysiert die Fehler der USA, um ähnliche Situationen wie in Lybien oder im Irak zu vermeiden.

 


 

Laut dem WikiLeaks-Mitbegründer Julian Assange planten die USA spätestens seit dem Jahre 2006 Präsident Assad zu stürzen. Julian Assange beruft sich hierbei auf US-Depeschen die man von den Botschaften in der Nahost-Region nach Washington kabelte. Bashar al-Assad ist seit dem Jahr 2000 Generalsekretär der Baath-Partei. Zunächst galt Assad nach dem Tod seines Vaters als „Hoffnungsträger“, nachdem Syrien unter Hafez al-Assad bis zu seinem Tod von Unruhen im Land geprägt war.
 

Von Christian Lehmann