Der deutsche Vize-Kanzler Sigmar Gabriel will sich nächste Woche in Moskau mit Russlands Präsident Wladimir Putin treffen, wie die Rheinische Post unter Berufung auf Regierungskreise am Dienstag berichtet. Das geplante Treffen spiegele dabei auch Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Bundesregierung wieder.
 
Das Kanzleramt sei bereits über die geplante Russland-Reise Gabriels informiert. Eine Ministeriumssprecherin wollte die Pläne für die Reise zunächst jedoch nicht bestätigen.

 

Sollte das Treffen stattfinden, wäre es das zweite Putin-Gabriel-Treffen binnen eines Jahres. Zuletzt hatten sich die Politiker im Oktober 2015 in Nowo-Ogarjowo getroffen. Damals hatte Gabriel die Notwendigkeit von mehr Zusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland betont.

 

„Wenn man in die Vergangenheit schaut, ins Jahr 2000, als Deutschland und Russland ausgezeichnete Beziehungen hatten, dann ist überhaupt nicht klar, warum sich unsere beiden Länder in komplett unterschiedliche Richtungen entwickelten», so Gabriel bei dem Treffen mit Putin im letzten Jahr.

 

Der bevorstehende Besuch des Vize-Kanzlers in Russland hänge Medienberichten zufolge mit der ausgeprägten Uneinigkeit in der großen Koalition in der Frage des Umgangs mit Russland zusammen. Zuletzt hatte Außenminister Frank-Walter Steinmeier viel Kritik wegen seiner Äußerungen zu Nato-Übungen an der russischen Grenze auf sich gezogen. Steinmeier warnte davor, mit Säbelrasseln und Kriegsgeheule die Situation weiter anzuheizen. Diese Worte stießen bei der Union auf Empörung. Finanzstaatssekretär Jens Spahn nannte Steinmeier einen «Putin-Versteher». Parteivize Volker Bouffier wies seinerseits die Äußerungen als «falsches Signal» zurück. Steinmeier hingegen bekräftigte seine Kritik an der Russland-Politik der Nato. Er habe den Eindruck, dass das Bündnis Austausch und Dialog im Augenblick völlig vergesse, so der Minister.