Diese Wortwahl lässt aufhorchen: Bei einer Veranstaltung des CDU-Wirtschaftsrates am Dienstag sprach Angela Merkel im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise von einem „Angriff“ auf die europäischen Außengrenzen. Das passt so gar nicht in die bisherige Tonlage der Kanzlerin zu dem Thema.
 
Diese Tonlage hat sie mit ihrem „Wir schaffen das!“ im Spätsommer vergangenen Jahres gesetzt. Merkel war die Verfechterin der Willkommenspolitik, an den Grenzen skandierten die Flüchtlinge „Mama Merkel“. Die Kanzlerin machte Selfies mit Flüchtlingen, erinnerte an Einzelschicksale und appellierte an die Nächstenliebe der Deutschen. Trotzig hielt sie ihren Kritikern entgegen, dass Deutschland nicht ihr Land sei, wenn man sich für ein freundliches Gesicht in Notsituationen entschuldigen müsse. All das passt so gar nicht zum Bild eines „Angriffs“.
 
Umso mehr lässt die nun gewählte Formulierung aufhorchen. Ist die Zeit der mitfühlenden Kanzlerin vorbei?
 
Merkel ist immer mehr von der Willkommenspolitik abgerückt
 
Schon seit Längerem hat sie ihren Kurs in der Flüchtlingskrise Stück für Stück verändert – natürlich ohne das öffentlich als Kurskorrektur zuzugeben. Merkel hatte sich stets für europäische Lösung mit Verteilung auf alle EU-Länder eingesetzt, war aber in den vergangenen Wochen zunehmend von ihrer Willkommenspolitik abgerückt – auch wenn sie sich offiziell nie von ihrem „Wir schaffen das“-Ausspruch distanzierte.

 

Quelle: Focus