Es ist unnötig, die Spannungen zwischen Moskau und dem Westen durch Massenmanöver, „unnötige Nadelstiche“ wie die Aufnahme des von niemandem bedrohten Montenegro in die Nato oder durch martialische Reden von US-Verteidigungsminister Ashton Carter immer weiter zu verschärfen, schreibt „Die Zeit“. Vielmehr müsse ein Dialog wiederaufgenommen werden.

 

Der Westen hat dabei aus Sicht des Autors des „Zeit“-Artikels, Theo Sommer, „einen Trumpf in der Hand“. Er könnte die Aufnahme der Schwarzmeerhalbinsel Krim anerkennen, wenn Putin im Gegenzug dafür genug böte.
Der Autor bestreitet zwar nicht die offizielle Sichtweise des Westens, dass Russland formal das Völkerrecht verletzte, als es die Krim aufnahm. Doch ließ der russische Präsident Wladimir Putin sich von zwei wichtigen Faktoren leiten: der Geschichte und der strategischen Logik.

 

Die Krim war russisch noch unter Katharina der Großen. Dass der Ukrainer Chruschtschow sie 1954 der Ukraine zusprach, war „ein historischer Ausrutscher“, so der Autor. Moskau hatte zudem laut Sommer allen Grund zu glauben, dass die neue Regierung in Kiew die russische Marinebasis Sewastopol der Nato übergeben werde. Nach der Maidan-Revolution hatten die Behörden in Kiew ja mehrheitlich gegen die Verlängerung des Sewastopol-Vertrags bis 2042 gestimmt.

 

Der Kreml wird die Krim niemals zurückgeben, auch wenn der Westen deswegen noch 50 Jahre lang Sanktionen verhängt. Besser wäre dann, für die Aufnahme der Krim „auf diplomatischem Wege eine Sicherung des Status quo im übrigen Europa zu erlangen“, was „das Fundament für eine langfristige Politik der Entspannung, des Ausgleichs und der Zusammenarbeit“ legen würde.