Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat der EU vorgeworfen, sein Land im Beitrittsprozess absichtlich hinzuhalten und eine Volksabstimmung über die Fortsetzung der Beitrittsgespräche in Aussicht gestellt, berichten mehrere deutsche Medien unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Anadolu.

 

Erdogan habe erneut schwere Anschuldigungen gegen Europa erhoben. Der Streit um das Flüchtlingsabkommen und die Visafreiheit für die Türken habe gezeigt, dass die EU nicht vertrauenswürdig sei, sagte er am Mittwoch.

 

„Ihr haltet eure Versprechen nicht. Eben das ist euer hässliches Gesicht. Weil Erdogan dieses hässliche Gesicht entlarvt, dreht ihr durch“, erklärte der türkische Staatschef. Deswegen sei die EU bestrebt, ihn „loswerden“ zu wollen.

 
Erdogan habe zudem die Möglichkeit einer Volksabstimmung nach dem Beispiel Großbritanniens ins Spiel gebracht, bei dem die Türken über eine Fortsetzung der Beitrittsgespräche mit der EU abstimmen könnten. „Wir könnten fragen, sollen die Gespräche mit der Europäischen Union fortgesetzt werden oder nicht“, drohte er.

 

Dem EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker habe Erdogan vorgeworfen, er kenne das türkische Volk nicht. Die Türken seien nicht auf die EU-Visafreiheit oder das Rücknahmeabkommen angewiesen, so der Präsident.

 

„Ihr seid im Moment im wahrsten Sinne des Wortes hinter der Türkei her. Ihr denkt, wenn die Türkei ihre Türen öffnet und diese Flüchtlinge in Richtung Europa marschieren, was wird dann aus uns“, sagte der türkische Staatschef.