Russland modernisiert seine Raketenabwehr und testet Abfangraketen für diese Zwecke. Das ist laut Experten unabdingbar, um mit den USA Schritt zu halten, denn auch dort laufen die entsprechenden Arbeiten auf Hochtouren.

 

Der TV-Sender Swesda stellt in seiner Onlineausgabe fest, von russischen Raketenabwehr-Systemen sei wegen Geheimhaltung nur wenig bekannt: „In der Presse kann man etwa Angaben zum System A-135 Amur finden, das bei Bedarf einen Schlag gegen Moskau und das zentrale Industriegebiet abwehren soll. Dem System gehören unter anderem Raketen des Typs 53Т6 an.“

 

Auf dem Truppenübungsplatz Sary-Schagan, der in Kasachstan liegt und von Russland gepachtet wird, war eine Abfangrakete in der vergangenen Woche getestet worden. Wie das russische Militär mitteilte, wurde das anvisierte Übungsziel erfolgreich abgeschossen. Welche Rakete zum Einsatz kam, wurde nicht konkretisiert.

 

Wie der Sender nun berichtet, gibt es Hinweise darauf, dass eben 53Т6-Abfangraketen dort getestet werden. Jede davon trage einen Sprengsatz, der mindestens zehn Kilotonnen TNT entspreche, und erreiche in manchen Flugabschnitten eine Geschwindigkeit von fünf Kilometern pro Sekunde. Damit sei sie fähig, ballistische Langstreckenraketen möglichst präzise abzufangen.

 

uch modernere Systeme des Typs A-235 könnten nach Angaben des Senders die russische Raketenabwehr ergänzen. Sie sollen in der Lage sein, gegnerische Atomraketen bei Bedarf im nahen Weltraum abzufangen. Ihre technischen Daten werden geheim gehalten, doch die dabei eingesetzten Abfangraketen sollen die schnellsten weltweit sein.

 

Mit der Indienststellung dieser Waffen und der neuen S-500-Systeme soll ein mehrstufiger Raketenschirm über Moskau entfaltet werden, um dann als Grundlage für einen Schild über ganz Russland zu dienen. Für diese Zwecke kommen auch bodengestützte Radaranlagen zum Einsatz.

 

Sergej Denissenzew, Experte der russischen Denkfabrik CAST, erläuterte: „Das S-500-System soll von ihrem Konzept Raketen abfangen können, um nicht bloß eine Flugabwehrwaffe zu sein, sondern eigentlich Teil der russischen Raketenabwehr – mit der Möglichkeit, gegen Satelliten in niedrigen Umlaufbahnen vorzugehen.“

 

Der russische Militärexperte Michail Chodarenok sagte dem Blatt: „Die Amerikaner testen ständig etwas im Bereich der Raketenabwehr. Was sie genau tun, ist allerdings nicht bekannt: Die Ergebnisse ihrer Tests zeigen sie unter einem Blickwinkel, der ihnen günstig ist. Ihre Aufgabe ist, mit Hilfe ihrer Raketenabwehrsysteme unseren nuklearen ‚Stachel‘ auszureißen bzw. zu neutralisieren. Falls das gelingt, werden sie mit uns ganz anders sprechen.“

 

Michail Alexandrow, Experte des Zentrums für militärpolitische Studien an der Moskauer Diplomaten-Uni MGIMO, kommentierte: „Unsere Raketenabwehrsysteme werden umgerüstet, es gibt Fortschritte auf diesem Gebiet. Hinter den US-Amerikanern blieben wird da absolut nicht zurück, obwohl mancher das vielleicht glaubt.“

 

 

Quelle: Sputnik