An den Küsten Italiens sind in diesem Jahr schon mehr als 70.000 Flüchtlinge angekommen. Die meisten von ihnen sind in Italien geblieben. Es ist jedoch unklar, wie lange Italien die Flüchtlinge noch versorgen kann. Schon vor zwei Jahren hatte Italien ab einer gewissen Zahl begonnen, die Flüchtlinge und Migranten nach Nordeuropa durchzuwinken.

 

Wie das Innenministerium am Samstag in Rom mitteilte, kamen fast alle Schutzsuchenden aus der Subsahara, vor allem aus Nigeria, Eritrea und Gambia. Sie machten sich über das Mittelmeer auf den Weg nach Europa. Unter den 70.930 Flüchtlingen waren dem Ministerium zufolge mehr als 8500 unbegleitete Minderjährige.

 

Die Zahl der ankommenden Asylsuchenden entspricht in etwa der des Vorjahreszeitraums, als zwischen Januar und Juni 71.092 Menschen Italien erreichten, berichtet die AFP. Allerdings setzt die Tatsache, dass deutlich weniger Flüchtlinge ihren Weg anschließend Richtung Nordeuropa fortsetzen, Italiens Infrastruktur unter Druck: Während Anfang 2015 rund 67.000 Asylsuchende in den Aufnahmezentren beherbergt wurden, waren es Anfang 2016 schon 106.000 und Ende Juni 132.000 Menschen.

 

Die Reise über das Mittelmeer treten die Flüchtlinge oft in unsicheren und vollkommen überfüllten Booten an. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) kamen seit 2014 mehr als zehntausend Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Europa im Mittelmeer ums Leben. Allein seit Jahresbeginn ertranken demnach mehr als 2800 Menschen.