Nachdem der Pentagon-Chef den Einsatz gegen Jugoslawien im Jahr 1999 als richtige Entscheidung bezeichnet hat, werden in einem russischen Kommentar die Konsequenzen der damaligen US-Außenpolitik angeprangert.

 
Die russische Onlinezeitung vz.ru schreibt, niemand wolle derzeit verraten, was jener Nato-Einsatz zum Hauptziel hatte: „Wollte man vor allem Milosevic stürzen? Oder den Brennpunkt der öffentlichen Meinung verschieben, damit die Siegeskraft der US-Waffen in den Vordergrund rückt – an Stelle von Monica Lewinsky und dem Amtsenthebungsverfahren gegen den US-Präsidenten? Oder wollte man eine neue Kräfte-Konstellation in Europa zustande bringen? Jedenfalls zielte der Einsatz nicht darauf ab, den ‚geplagten Albanern‘ dabei zu helfen, eine Unabhängigkeit zu erlangen.“

 

So kommentiert die Onlinezeitung die jüngste Äußerung des Pentagon-Chefs Ashton Carter, wonach der Jugoslawien-Einsatz ein richtiger Schritt gewesen sei. Carter sagte, die damalige US-Außenministerin Madeleine Albright habe zur „Verteidigung der Vereinigten Staaten“ beigetragen, und verlieh ihr eine Auszeichnung.

 

Im Kommentar wird postuliert, die einzige politische Folge jener Luftangriffe auf Jugoslawien sei die Entstehung eines „Reservats“ gewesen, das offiziell die Republik Kosovo heiße, doch von den Menschen in Anrainerländern als „Territorium der Gesetzlosigkeit“, „Drogenhandel-Metropole“ oder als „illegale Transplantationsklinik“ gebrandmarkt werde. Und inmitten dieses Reservats stecke Camp Bondsteel, der zweitgrößte US-Militärstützpunkt in Europa.

 

Eigentlich mache eben Camp Bondsteel den Staat Kosovo aus – der Rest sei ein „Komantschen-Gebiet“: Diesen Ausdruck habe man während der Jugoslawienkriege gebraucht, um eine „Grauzone ohne Macht und Gesetze“ zu bezeichnen, schreibt vz.ru.

 

„Alle Versuche, das Kosovo als einen nicht gescheiterten Staat zu präsentieren, gelten vom Standpunkt der klassischen Diplomatie aus vielleicht als erfolgreich (…) Doch im Innersten begreifen alle, womit sie zu tun haben. In Europa gibt es Länder, die von der albanischen Kriminalität besonders betroffen sind – wie etwa Großbritannien, die Niederlande, Belgien, Schweden, die Schweiz und Italien, das sich damit längst abgefunden hat. Die Notwendigkeit, albanische Sprachkurse für ihre Polizisten zu organisieren, haben diese Länder jener ‚richtigen Politik der USA‘ aus dem Jahr 1999 zu verdanken“, so der Kommentar.

 

Weiter heißt es: „Es ist sowohl einzelnen Menschen als auch Staaten eigen, ihre Handlungen im Nachhinein zu rechtfertigen. Aus dem Wunsch, sich reinzuwaschen, resultiert eine politische Mythologie, die allmählich zu einer ebenfalls politischen Narration mutiert und in Hochschulen wie Princeton als Unterricht landet. Wenn der US-Verteidigungsminister die Bombenangriffe auf Jugoslawien für eine ‚richtige Entscheidung erklärt, geht es allerdings um keine Freudsche Selbstrechtfertigung. Das ist eine konsequente außenpolitische Position. Deren Kern besteht darin, dass man im eigenen Interesse jede kannibalische Bewegung ausnutzen darf, ohne die weitere Entwicklung der Ereignisse im Voraus zu kalkulieren.“

 

Im Rahmen dieses Konzepts spiele es absolut keine Rolle, was eine außenpolitische Entscheidung (einschließlich einer Anwendung von Gewalt) zur Folge habe: „Wer als ‚gut‘ und wer als ‚böse‘ eingestuft werden soll, ist unwichtig. Sowieso kann man all dies später mit hochmoralischen Ausführungen über den ‚Schutz der Kosovo-Albaner‘ verschleiern.“

 

 

Quelle: Sputniknews