Sie haben es gewagt die Briten, sie haben für den Brexit gestimmt. Die Meinungs- und Polit-Oligarchen sind in Panik. Sie verbreiten Weltuntergangsstimmung. Die Vorschläge für Konsequenzen aus dem Referendum werden immer wirrer. Sie zeigen vor allem eines: völlige Uneinsichtigkeit und Verachtung der Bevölkerung.

 

Das Referendum über den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU war in der Tat ein tiefer Einschnitt. Schon oft standen Entscheidungen gegen das Establishment auf der Kippe, zuletzt in Schottland oder österreich. Immer ist es gelungen, gerade noch einmal eine radikale Entscheidung zu verhindern. Hauptmittel dafür was Angstmache: Wenn ihr gegen den Status Quo entscheidet, dann werden ihr verhungern, mindestens, wenn nicht mehr. Euer Land wird zur Wüste und eure Hoffnungen könnt ihr euch sonstwohin schmieren. Das hatte gewirkt, bis jetzt. Die Briten sind aber aufgrund ihrer Geschichte und Mentalität nicht so leicht einzuschüchtern. Sie haben es gewagt, den großen Knall zu produzieren.
 
Den Mächtigen hat das einen gehörigen Schrecken eingejagt, der fast schon ihr unbesiegbares Selbstbild bedroht. Sollte es etwa nicht mehr möglich sein, die Bevölkerung beliebig so zu manipulieren, dass die immer so abstimmt, wie wir das wollen? Eine grauenhafte Vorstellung. Kurz nach der Bekanntgabe des Ergebnisses wurde daher schon versucht, das Ergebnis zu delegitimieren. Die Alten und die Armen wären schuld, die letzten gesellschaftlichen Gruppen, gegen die man noch politisch-korrekt ungestraft hetzen darf. Gleich darauf wurden dann Demos organisiert mit jungen Leuten und natürlich gab es eine Internetabstimmung, die ein ganz anderes Ergebnis brachte. Die Demoskopen verkündeten ein paar Tage später, schon jetzt dächten die Briten ganz anders. Umfrage versus reale Abstimmung, welch ein absurder Vergleich. Alles ist recht, um das Ergebnis irgendwie ungeschehen zu machen.
 
Nach einer Woche kommen dann die Grundsatzfragen auf den Tisch: Brauchen wir überhaupt noch Demokratie? Sollen wir nicht besser politische Ämter verlosen? Und überhaupt, Volksabstimmungen sind fürchterlich und dürfen in Zukunft nicht mehr stattfinden. Die Brexit-Panik frisst sich in die Herzen der herrschenden Nomenklatura und sie rechnet ab mit dem widerborstigen Volk. Ja so gut, dass die „Väter und Mütter des Grundgesetzes“ die Weisheit mit Löffeln gefressen hatten und Volksabstimmungen nicht erlaubt haben.
 
Das Brexit-Referendum offenbart, wie weit sich selbsternannte Elite und Völker bereits voneinander entfernt haben. Die Mächtigen sind voller Angst und Misstrauen. Ein Zeichen der Schwäche. Was würde passieren, wenn die Briten, trotz aller Verhinderungsversuche in letzter Minute, aus der EU ausscheiden und nicht verhungern? Es wäre der Beweis, dass es ein Leben außerhalb der EU gibt, dass die Mitgliedschaft in der EU-Kirche nicht der einzige Weg zum Heil ist. Ein Tabubruch. Schon jetzt haben die Polit-Oligarchen eine schwere Niederlage erlitten, weil ihre Angstmache vor den angeblichen wirtschaftlichen Folgen einer Entscheidung nicht mehr funktionierte. Der Mehrheit der Briten war die Freiheit ihres Landes wichtiger als kurzfristige ökonomische Vorteile. Das bedeutet die Wiederherstellung des Primats der Politik und der Bruch mit der Diktatur des ökonomischen Denkens. Wahrhaft wieder einmal eine Glorious Revolution in Großbritannien.

 

Von Dr. Christian Weilmeier