Die Nato muss gestärkt werden, so Kanzlerin Angela Merkel am Donnerstag in ihrer Regierungserklärung zum NATO-Gipfel, um Russland zu zeigen, dass man auf Augenhöhe verhandle. Auch die Russland-Sanktionen wolle man beibehalten. Wolfgang Gehrcke von den Linken findet, das stimmt so nicht. Die Sanktionen könne man fallen lassen und die NATO auflösen.
 
Nach der Regierungserklärung durch Bundeskanzlerin Angela Merkel gab es von Sahra Wagenknecht von den Linken scharfe Kritik, vor allem was die Russland-Politik angeht. Dafür wurde die Linken-Abgeordnete von den Sprechern der anderen Fraktionen heftig attackiert.
 
In einem Interview mit Sputnik-Korrespondentin Ilona Pfeffer äußerte Wagenknechts Fraktionskollege Wolfgang Gehrcke, der Kurs der Regierung wirke auch auf ihn, als habe man sich in eine Sackgasse verrannt. Statt die NATO zu stärken und Russland unter Druck zu setzen, solle man lieber über eine Umkehr nachdenken.

 

„Wir denken, man kann die NATO auflösen und durch ein kollektives Sicherheitssystem in Europa ersetzen – das war ja mal der Vorschlag des russischen Präsidenten.“, so Gehrcke.

 

Die NATO habe längst nicht mehr die Zustimmung in der Bevölkerung, wie es noch zu Zeiten des Kalten Krieges war, betont der Politiker. Auch in den anderen Fraktionen gebe es durchaus Kritik an Merkels Kurs, diese werde aber nicht geäußert.

 

„Es gibt eine Diskussion auf dem Tisch und eine unter dem Tisch. Ich kenne bei der SPD etliche, die es ähnlich sehen, wie wir, die es aber nie öffentlich zugeben. Selbst bei der CDU kenne ich Kollegen, die sagen: Die Russland-Politik ist eine Katastrophe! Sie wollen eine andere Politik, würden sich aber nie gegenüber ihrem Fraktionsvorstand äußern. Die Grünen waren mal eine Partei, in deren Programm die Auflösung der NATO stand. Lange ist es her. Aber ein bisschen mehr Realismus, ein bisschen mehr Demut gegenüber Russland wäre schon angebracht.“

 

Eine Chance für Zusammenarbeit mit Russland sieht Gehrcke in der neu gegründeten Eurasischen Union.

 

„Ich finde den russischen Kurs der Eurasischen Union sehr attraktiv. Warum kann es nicht eine Kooperation zwischen der Europäischen Union und der Eurasischen Union geben? Wir könnten alle viel gewinnen, wenn in Deutschland in diese Richtung gedacht werden würde.“

 

Als einen ersten Schritt sehe Die Linke aber zunächst die Aufhebung der Sanktionen gegen russische Politiker, um den konstruktiven Dialog möglich zu machen.