Die Verbrechen ukrainischer Nationalisten an der polnischen Bevölkerung in Wolhynien sollen als Völkermord anerkannt werden. Dazu ruft die oberste Kammer des polnischen Parlaments den Sejm in einer Resolution auf, wie der polnische Rundfunk berichtet.

 
Mit den Stimmen der Regierungspartei „Recht und Gerechtigkeit“ habe der polnische Senat eine Resolution zur Tragödie von Wolhinien verabschiedet“, berichtet der Rundfunk. Die oberste Parlamentskammer habe an den Sejm appelliert, den 11. Juli als Nationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Völkermordes festzulegen, „der von ukrainischen Nationalisten gegen Bürger der Zweiten Polnischen Republik verübt worden ist“, hieß es in dem Radiobericht.

 

Polnische Bürger, die von ukrainischen Nationalisten während des Zweiten Weltkrieges getötet worden waren, werden in dem Senatsbeschluss als „Opfer des Genozids“ bezeichnet. Das Andenken an die Opfer dieser Verbrechen sei bislang nicht gebührend verewigt, die Massenmorde nicht als Genozid eingestuft worden, heißt es in der Resolution.

 

„Der Senat der Republik Polen zollt dem Andenken der Bürger der Zweiten Republik, die von ukrainischen Nationalisten auf brutale Weise ermordet wurden, Tribut“, heißt es in dem Dokument.

 

Abgeordnete der Fraktion „Recht und Gerechtigkeit“ haben die Resolution in den Sejm eingebracht. Der Entwurf hat eine heiße Debatte unter den Parlamentariern ausgelöst: „Das Dokument kann ernste internationale Konsequenzen nach sich ziehen“, erklärte die Opposition. Im März letzten Jahres hat der ukrainische Präsident Petro Poroschenko die Organisation ukrainischer Nationalisten (OUN) und die Ukrainische Aufständische Armee als „Freiheitskämpfer“ eingestuft.

 

Die OUN hat während des Zweiten Weltkriegs gemeinsam mit der Wehrmacht gegen die Sowjetunion gekämpft. Im Jahr 1943 hat die Organisation die Ukrainische Aufständische Armee gegründet.

 

Im Februar 1943 haben die ukrainischen Nationalisten mit der Vernichtung der polnischen Bevölkerung in Wolhynien begonnen. Am 11. Juli erreichten die Massaker ihren tragischen Höhepunkt: Die Ukrainische Aufständische Armee hat hunderte polnische Siedlungen angegriffen, wobei rund 100 000 Menschen ermordet wurden – hauptsächlich Frauen, Kinder und Alte.

 

Anlässlich des 70. Gedenktags der Tragödie von Wolhynien hatte der polnische Sejm eine Resolution verabschiedet, die die damaligen Ereignisse als „ethnische Säuberungen mit Anzeichen eines Völkermordes“ bezeichnete.

 

In 2015 hat das ukrainische Parlament die Tätigkeit der OUN und der Ukrainischen Aufständischen Armee als „Kampf für die Unabhängigkeit der Ukraine“ anerkannt. Eine der zentralen Straßen Kiews – früher nach der russischen Hauptstadt benannt – trägt inzwischen den Namen Stepan Banderas, eines ukrainischen Nationalistenführers.