Kiew hat kurz nach der Genozid-Resolution Polens zu dem von ukrainischen Nationalisten verübten Wolhynien-Massaker seine Teilnahme an der parlamentarischen Versammlung in Lwiw abgesagt, wie das Nachrichtenportal Kresy.со unter Berufung auf die Abgeordnete Elzbieta Borowska berichtete.

 

Die polnischen Parlamentarier, die zu der für den 16. und 17. Juli in Lwiw geplanten Versammlung delegiert wurden, hätten von der Absage Kiews erst am Montagabend erfahren.

 

Eine offizielle Begründung habe Kiew nicht genannt. Allerdings gehe man davon aus, dass dieser Entschluss eine Reaktion auf die in der vergangenen Woche verabschiedete Resolution des polnischen Senats sei, wonach die Verbrechen ukrainischer Nationalisten an der polnischen Bevölkerung in Wolhynien als Völkermord eingestuft wurden. Zudem hatten Abgeordnete der Werchowna Rada (ukrainisches Parlament) zuvor angekündigt, eine Protestnote gegen dieses Dokument abzusenden.

 

Polnische Bürger, die von ukrainischen Nationalisten aus der Organisation ukrainischer Nationalisten (OUN) und der Ukrainische Aufständische Armee (UPA) während des Zweiten Weltkrieges getötet worden waren, werden in dem Senatsbeschluss als „Opfer des Genozids“ bezeichnet. Das Gedenken an die Opfer dieser Verbrechen sei bislang nicht gebührend gefestigt, die Massenmorde nicht als Genozid eingestuft worden, heißt es in der Resolution.

 

Die OUN hat während des Zweiten Weltkriegs gemeinsam mit der Wehrmacht gegen die Sowjetunion gekämpft. Im Jahr 1943 hat die Organisation die UPA gegründet. Im Februar 1943 haben die ukrainischen Nationalisten mit der Vernichtung der polnischen Bevölkerung in Wolhynien begonnen. Am 11. Juli erreichten die Massaker ihren tragischen Höhepunkt: Hunderte polnische Siedlungen wurden angegriffen, wobei rund 100 000 Menschen ermordet wurden – hauptsächlich Frauen, Kinder und ältere Menschen.

 

Anlässlich des 70. Jahrestages der Tragödie von Wolhynien hatte der polnische Sejm eine Resolution verabschiedet, die die damaligen Ereignisse als „ethnische Säuberungen mit Anzeichen eines Völkermordes“ bezeichnete.

 

In 2015 hat das ukrainische Parlament die Tätigkeit der OUN und der UPA als „Kampf für die Unabhängigkeit der Ukraine“ anerkannt. Eine der zentralen Straßen Kiews – früher nach der russischen Hauptstadt als Moskauer Prospekt benannt – trägt inzwischen den Namen Stepan Banderas, eines ukrainischen UPA-Nationalistenführers.

 

 

Quelle: Sputniknews