Bundeskanzlerin Angela Merkel bereitet sich laut einem Bericht der US-Zeitung „Financial Times“ auf die wichtigste Schlacht ihrer politischen Karriere vor – die Schlacht um Deutschland, aber auch um ganz Europa.

 

Der Austritt Großbritanniens aus der EU bedroht alles, was Merkel in den vergangenen zehn Jahren erreicht hat. Hinter ihrer Einschätzung des Brexits als einen „Einschnitts“ für Europa verbergen sich zahlreiche Ängste, unter anderem der mögliche Verlust eines Schlüsselpartners in Europa sowie das Risiko anderer Austritte aus der Union und eine Bedrohung ihrer eigenen Positionen in Europa.

 

„Sie ist nun mit der historischen Herausforderung konfrontiert, Europa vor dem Zerfall zu bewahren. Das liegt im Interesse Deutschland, aber auch Europas. Sie ist zweifelsohne sehr beunruhigt“, zitiert FT den Politikwissenschaftler Jürgen Falter von der Universität Mainz.

 

Parallel mit der Aufrechterhaltung guter Beziehungen mit Großbritannien und dem Kampf gegen die aufkommenden Populismuswellen muss sich die Kanzlerin auch auf die Parlamentswahlen 2017 in Deutschland vorbereiten, die ersten nach der Flüchtlingskrise in Europa. Darüber hinaus wird sie den EU-Spitzen etwas entgegensetzen müssen, die andere Visionen von Europas Zukunft haben, wie beispielsweise EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, Frankreichs Staatschef Francois Hollande oder Italiens Premier Matteo Renzi.

 

„Merkels Einfluss wird abnehmen. Der Brexit wird noch neue Unstimmigkeiten und Widersprüche hervorrufen“, meint Josef Janning vom dem Europäischen Politikzentrum (European Policy Centre).

Merkels Rolle in der EU und Deutschland habe deutlich an Bedeutung verloren, schlussfolgert die Zeitung. Die Unterstützung in der Bevölkerung für die Christdemokraten sei von 41 Prozent auf 33 Prozent zurückgegangen, zudem bekommt die „Alternative für Deutschland“ immer mehr Zuspruch – auch aus Merkels Reihen. In der Migrationspolitik stehen Merkel nur wenige EU-Kollegen zur Seite, viele schieben ihr sogar die Schuld für Brexit zu.