Der Versuch des Militärputsches in der Türkei lässt der NATO keine andere Wahl, als das Land aus der Allianz auszuschließen, schreibt die britische Zeitung The Telegraph.

 

Seit dem NATO-Beitritt der Türkei im Jahre 1952, wurde die Mitgliedschaft als eine wichtige Hochburg in der Verteidigung Europas gegen Bedrohungen von außen betrachtet. Die Nähe des Landes zu Orten von gewaltsamen Konflikten, die im Irak und in Syrien ausgebrochen haben, betont noch einmal die Bedeutung des Verbleibes der Türkei in der Allianz, vor allem angesichts der terroristischen Bedrohung durch «Islamischer Staat.» Darüber hinaus, die strategisch wichtige geographische Lage des Landes war der Grund für die Stationierung des Luftwaffenstützpunktes auf dem Gebiet der Incirlik, wo die NATO-taktische Atomwaffen lagert.

 

Die Tatsache, dass Washington offen über eine mögliche Aussetzung der Mitgliedschaft der Türkei in der NATO spricht, zeigt, wie stark sich die Beziehungen zwischen Ankara und ihren westlichen Verbündeten sich seit dem Militärputsch der vergangenen Woche verschlechtert haben, so der Autor.

 

Der Putschversuch von einer Gruppe von unzufriedenen Soldaten ist gescheitert. Es folgte jedoch ein anderer Umbruch, unter der Federführung türkischen Präsidenten Erdogan gegen Gegner. Die „Säuberung“ hat schon Tausende von Soldaten, Polizisten, Rechtsanwälte, Mitarbeiter von Bildungseinrichtungen getroffen. Die USA wurde auch kritisiert: Erstens, man hat Washington in der Unterstützung von Rebellen beschuldigt und zweitens, Ankara hat den Strom auf der Basis Incirlik abgeschaltet.

 

Die Frage besteht darin, ob die NATO entschieden wird, aus ihren Reihen das problematische, aber dennoch durchaus wertvolle Mitglied auszuschließen. Wie die Zeitung erinnert, es sei nicht das erste Mal, dass die politische Instabilität in Ankara die Allianz zwingt, die Beziehungen zu es zu überdenken.Im Jahre 1960 wurde in der Türkei der damalige Premierminister Adnan Menderes erhängt, was bei der NATO für Besorgnis. Aber in diesem Fall und in anderen Fällen war die Allianz sich bewusst, dass der Ausschluss der Türkei sie in die Arme Russlands und anderen Ländern des Mittleren Ostens treibt, deshalb schloss die Allianz ihre Augen auf die politischen Mängel.

 

Erdogans Unbeliebtheit bei den anderen NATO-Mitgliedern ist groß. Die Wahrscheinlichkeit die Türkei aus der Allianz auszuschließen. Viele europäische Politiker beschuldigten Erdogan die Migrationskrise im vergangenen Sommer gefördert zu haben. Die Besorgnis erstreckt sich auch auf eine mögliche Verbindung der türkischen Regierung mit den Terror-Milizen in Syrien.

 

Wenn Erdogan seine Politik ändern wird, wird es möglich sein, die Türkei im Rahmen der NATO zu halten, schreibt der Autor. Andernfalls wird die Allianz müssen, ihrer Verbündeten loszuwerden.
 
NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte zuvor, dass in dem Staat, der ein Mitglied der Nordallianz ist, sollte keine Militärputsche auftreten.