Der türkische Geheimdienst MIT informierte laut einer Meldung der Hürriyet Daily News ranghohe Generäle Stunden vor Beginn des Putsch-Versuchs über die drohende Situation. Der Generalstabschef General Hulusi Akar leitete sofortige Schritte ein. Westliche Medien versuchten im Nachhinein, zu unterstellen dass der gescheiterte Putsch klein und amateurhaft gewesen sei und deshalb wahrscheinlich von Erdogan persönlich inszeniert worden wäre, um einen Vorwand für politische Säuberungen zu erhalten.

 

Die westlichen Medien erwähnten nicht die sehr wahrscheinliche Möglichkeit, dass der Plan ganz einfach vorher durchgesickert war. Sobald das Überraschungsmoment verloren war, die Ergreifung Erdogans scheiterte und Erdogan-treue Militärs Maßnahmen ergriffen, erlahmte der Putschversuch ziemlich bald, was ausländische Beobachter fehldeuteten als einen halbherzigen und amateurhaften Putsch.

 

Einer der Hauptverdächtigen ist niemand anderes als die amerikanische CIA, die bereits in der Vergangenheit öfters peinlich gescheitert war mit ähnlichen Aktionen. Beispielsweise war ein geplanter Putsch gegen den iranischen Präsidenten Mossadegh in den frühen 1950er Jahren mehrere vor dem anberaumten Datum durchgesickert und der Präsident hatte genügend Vorwarnung, um sich auf die Situation einzustellen. Die CIA hörte schockiert in einer iranischen Radiosendung, dass ihre Pläne aufgeflogen waren.

 

Präsident Erdogan entkam nur knapp dem Angriff eines Sonderkommandos der Putschisten und wurde unter Verwendung des falschen Transpondersignals „THY 8456“ in seinem Privatflugzeug ausgeflogen. Im Urlaubsort Marmaris wurde ihm eine Stunde vor Beginn des Putsches telefonisch die Warnung übermittelt, worauf ihn seine Wachleute sofort evakuierten. Nur 15 Minuten später landeten die Putschisten mit Helikoptern und eröffneten das Feuer. Sie kamen zu spät. Es gehört zum Standard-Vorgehen bei einem Putsch, das Staatsoberhaupt möglichst als erstes zu verhaften oder zu töten, bevor die anderen Aktionen beginnen.

 

Der Pilot von Erdogans Privatmaschine maskierte die Identität des Flugzeugs durch die Verwendung des Transpondersignals „THY 8456″ und ließ es somit auf den Radarschirmen aussehen, als handle es sich um ein reguläres Passagierflugzeug. Deshalb konnten Abfangjäger der Putschisten den Präsidenten bei seinem Rückflug nach Istanbul nicht aufhalten. Zu groß war das Risiko, eine Passagiermaschine abzuschießen. Die ausländischen Medien betrachteten den ungehinderten Rückflug Erdogans fälschlicherweise als Beleg dafür, dass er die ganze Sache als Theater-Schauspiel inszenieren ließ.

 

Sogar der ehemalige deutsche NATO-General Hans-Lothar Domröse gibt zu: Inszeniert war dieser Putsch „sicherlich nicht“. Wenn Erdogan selbst dahinter gesteckt hätte, „hätte er sich diesen lächerlichen Handy-Auftritt sparen können.“ Gemeint war das Interview mit CNN Türk mit Hilfe der Handy-App FaceTime.

 

Sevim Dağdelen, Bundestagsabgeordnete der Partei Die Linke, erklärte auf dem Nachrichtensender N24, dass Erdogans Programm der „Bürgerkrieg“ sei und derzeit eine „Pogromstimmung“ herrschen würde gegen all diejenigen, die nicht auf Seite Erdogans stünden. Die westlichen Medien scheinen allesamt schwer beleidigt zu sein über das Scheitern des Putsches und führen nun einen Krieg der Worte gegen Erdogan.

 

In dem Standardwerk „CIA: Die ganze Geschichte“ erläutert der Autor Tim Weiner anhand von zehntausenden ausgewerteten Akten, wie der amerikanische Geheimdienst in vielen Fällen Putschversuche auf der Welt angeleitet hatte und dabei oft scheiterte. Den Massenmedien sind diese Zusammenhänge durchaus bewusst, nur werden sie momentan überhaupt nicht berichtet. Immer wieder nutzte die CIA Bestechung oder Erpressung, um Militäroffiziere für einen Staatsstreich anzuwerben, aber auch geheime Waffendepots wurden angelegt.

 

Falls die CIA tatsächlich hinter dem Putsch gegen Erdogan steckte, zu hoch pokerte und verlor, ist nun die Frage, wie der Geheimdienst weiter verfahren wird. Einen Bürgerkrieg anzuzetteln und diesen zu tarnen als genuinen Volksaufstand dürfte angesichts der Säuberungsaktionen Erdogans nun ziemlich schwierig zu bewerkstelligen sein. Eine andere Methode wäre der offene Wirtschaftskrieg. Die Springerpresse kommentiert aktuell: „Nur das Kapital kann Erdogan noch zähmen.“

 

Die zwei türkischen Piloten, die vor Monaten ein russisches Kampfflugzeug an der Grenze abgeschossen hatten, sind nun in Haft wegen Beteiligung am Putschversuch. Durchaus möglich, dass die beiden im Auftrag der USA gehandelt hatten, um die Türkei und Russland auseinanderzutreiben.

 

Die USA hatten lange an Erdogans Ast gesägt, mit wirtschaftlichen Methoden die türkische Wirtschaft geschwächt und mit seinen Rivalen angebandelt wie Mustafa Koc und Fethullah Gülen. Koc ist überraschend Anfang 2016 gestorben. Er wurde zur Zielscheibe, nachdem er den Demonstranten der Gezi Park-Proteste geholfen hatte. Seiner Firmen wurden von den Steuerbehörden ins Visier genommen und große Staatsaufträge wurden abgesagt. Studiert hatte er an der George Washington University in Washington D.C. und nahm an Bilderberg-Konferenzen teil. Seine Unternehmensgruppe kooperierte mit westlichen Unternehmen wie Ford. In der deutschen Presse waren schwärmerische Artikel über ihn erschienen.

 

Gülen lebt immer noch im amerikanischen Exil und beteuert seine Unschuld am Putschversuch. Sogar das FBI und die russischen Geheimdienste vermuten, dass Gülen Geld von der CIA und den Saudis erhält. Die Massenmedien betonen nun, dass die vergangenen Säuberungsaktionen Erdogans allesamt angeblich nur auf Lügen und Verschwörungstheorien basierten, wie etwa Ergenekon. Allerdings verschweigen die Medien alle bislang bekannten Fakten zu dem sogenannten „tiefen Staat“ und den klandestinen Netzwerken.

 

Auch wird unterschlagen bei den Erwähnungen des letzten erfolgreichen Putsch-Führers General Kenan Evren, dass jener Hand in Hand mit der CIA arbeitete.

 

Quelle: Recentr