Zwar gibt es in Russland ebenso wie in anderen Ländern Probleme mit Doping, doch der Skandal vor den Sommerspielen in Rio hat eine „politische Färbung“. Diese Meinung äußerte der russische Olympiasieger Maxim Opalew. Aus seiner Sicht, versuchen die USA, die Situation zu ihren Gunsten zu beeinflussen.

 

Opalew, der bei den Sommerspielen 2008 Gold für Russland im Kanusport geholt hatte, sagte nun der Onlinezeitung gazeta.ru im Hinblick auf den aktuellen Doping-Skandal um den russischen Sport: „Ehrlich gesagt, ähnelt all diese Situation einem gewissen politischen Auftrag.“

 

„Ich mache mir Sorgen um unser Team, darunter um die Leichtathleten. Ich begreife nicht: Wie kann die individuelle Verantwortung für den Dopingkonsum auf ‚cleane‘ Sportler ausgebreitet werden? Meine Heimatstadt Wolgagrad ist berühmt durch ihre leichtathletischen Traditionen. Wir alle fiebern für Jelena Issinbajewa, Antonina Kriwoschapka. Sie haben auf die Sommerspiele gewartet und alle Regeln eingehalten – doch nun sind sie nicht mit dabei. Warum?“, fragte Opalew.

 

Das Internationale Olympische Komitee IOC habe sich glücklicherweise als „vernünftig genug“ erwiesen, um zumindest einem Teil der russischen Olympiamannschaft die Teilnahme zu erlauben, lobte Opalew. Das IOC hatte am Sonntag beschlossen, dass die Russen – mit Ausnahme der Leichtathleten – in Rio doch auftreten dürfen, falls sie zusätzliche Dopingproben bestehen. Die Entscheidung wurde im Hinblick auf den jüngsten Bericht der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA getroffen.

 

Opalew kommentierte, mittlerweile seien bereits Äußerungen mancher US-Amtsträger zu vernehmen, die mit dem IOC-Beschluss unzufrieden seien: „Nun wird man, denk ich, die internationalen Verbände stark unter Druck setzen. Hoffentlich legen sie einen nüchternen Verstand und eine Unvoreingenommenheit an den Tag. Sie sollten die Botschaft des IOC wahrnehmen. All dies verursacht eine gewisse Nervosität, denn die Sportler wissen bis zum letzten Moment nicht, ob sie nach Rio dürfen. Das wird ihre Leistungen bei den Spielen beeinflussen.“

 

Der Olympiasieger wurde gefragt, ob die WADA-Vorwürfe gegen Russland aus seiner Sicht haltlos sind. Er antwortete: „Wo Rauch ist, ist auch Feuer – wir müssen die Arbeit in diesem Bereich intensivieren. In Russland wird jedoch nicht weniger gegen das Doping gekämpft als in anderen Ländern. Dieses Problem gibt es überall.“

 

„Global betrachtet, hat der Skandal um Russland aber doch eine politische Färbung. Die USA können sich nicht beruhigen und setzen uns unter Druck. Nun werden die olympischen Dopingproben aus den Jahren 2008 und 2012 erneut unter die Lupe genommen. Dass wir damals so viele Medaillen geholt haben, bereitet unseren Konkurrenten Kummer. Würde man aber beschließen, Russland als eine der stärksten Sportmächte nicht nach Rio zu lassen, würde dies die ganze olympische Bewegung in Verruf bringen“, so der Kommentar weiter.

„Die Liste der verbotenen Präparate wird jeden Monat erweitert. Als Doping gilt nun sogar Meldonium, das ich mein ganzes Leben lang genommen habe. Die USA haben gleichartige Präparate – doch diese sind aus irgendeinem Grund nicht verboten. In der WADA hat man offenbar die Lage beobachtet und beschlossen, Meldonium gewissermaßen zu instrumentalisieren, denn dieses Präparat nehmen viele Sportler im postsowjetischen Raum. Dabei weiß niemand, wie lange es eigentlich im Blut bleibt. Es ist lächerlich, etwa Maria Scharapowa wegen Mildronat zu sperren. Da ist eine gewisse auftragsgebundene Handschrift ebenfalls zu spüren“, sagte Opalew zum Schluss.

Quelle: Sputnik