Nach Angaben der türkischen Zeitung „Hürriyet“ sind in der Türkei Haftbefehle für mindestens 42 Journalisten erlassen worden, denen eine Beteiligung an dem Putschversuch und Verbindungen mit dem in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen vorgeworfen werden. Dies schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Dienstag.

 

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Foto: REUTERS/ Huseyin Aldemir

 

Den Journalisten drohen langjährige Gefängnisstrafen – von zehn Jahren bis zu lebenslanger Haft.

 

Laut den türkischen Behörden waren an dem Putschversuch neben Militärs, Beamten, Richtern und Wissenschaftlern auch Journalisten beteiligt. Den Ermittlungsangaben zufolge gehörten sie ebenfalls zur Gruppierung „Parallelstaat“, die die Verfassungsordnung im Lande und die amtierende Regierung stürzen wollte. Zudem werden die Journalisten der Verbindung zu dem in den USA lebenden oppositionellen Prediger Fethullah Gülen verdächtigt, der für den gescheiterten Coup verantwortlich gemacht wird.

 

Bei einer Polizeioperation in Istanbul wurden fünf Journalisten festgenommen. Weitere Personen, die auf der Liste standen, waren nicht zu Hause. Falls die Vorwürfe bestätigt werden, drohen den Journalisten von zehn Jahren bis zu lebenslanger Haft, so „Hürriyet“. Wie die türkischen Medien berichteten, verließen elf unter Verdacht stehende Journalisten bereits das Land.

 

Auf der Liste steht die bekannte Kolumnistin und ehemalige Parlamentarierin Nazli Ilicak, die 2013 von der Regierungszeitung „Daily Sabah“ wegen Kritik an in eine Korruptionsaffäre verwickelte Minister entlassen wurde.

 

Bei dem gescheiterten Putschversuch kamen 246 türkische Staatsbürger (die Rebellen nicht mitgerechnet) ums Leben, mehr als 2000 wurden verletzt. 60.000 Soldaten und Beamte wurden festgenommen, Tausende Lehrer und Richter wurden entlassen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan verhängte einen dreimonatigen Ausnahmezustand über das Land.

 

In der Türkei wird die Wiedereinführung der Todesstrafe erwogen. Der EU-Kommissionsvorsitzende Jean-Claude Juncker betonte daraufhin, dass bei einer Wiedereinführung der Todesstrafe in der Türkei der Prozess zum EU-Beitritt unverzüglich eingefroren wird.

 

Das Vorgehen der türkischen Behörden sorgte für Kritik seitens der Internationalen Journalisten-Föderation, die sich an den Europarat wandte. „Wir rufen die türkischen Behörden im Ganzen und den Präsidenten Recep Tayyip Erdogan persönlich auf, die Pressefreiheit einzuhalten“, sagte der Präsident der Föderation, Philippe Leruth. „Die Pressefreiheit ist ein Thermometer der Demokratie. Wenn es zerbrochent wird, sinkt die Temperatur allerdings nicht“, so Leruth.

 

Wenige Stunden nach der Anordnung der Festnahme der Journalisten wurde bekanntgegeben, dass die türkische Fluggesellschaft Turkish Airlines die Verträge mit 211 Mitarbeitern gekündigt hat, die mit Fethullah Gülen in Verbindung stehen sollen.

 

 

Quelle: Sputniknews