Laut WikiLeaks-Enthüllungen hat sich die Parteispitze der Demokraten bei den Primaries (Vorwahlen) für Präsidentschaftsanwärterin Hillary Clinton zum Nachteil ihres parteiinternen Rivalen Bernie Sanders stark gemacht, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Dienstag.

 

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Die Präsidentin des Democratic National Committee, Debbie Wasserman-Schultz, erklärte am Sonntag ihren Rücktritt. Anlass war die Veröffentlichung von E-Mail-Korrespondenzen der Ausschussmitglieder auf der Enthüllungsplattform WikiLeaks. Wie aus den am Freitag publizierten 20.000 E-Mails folgt, die sich hochrangige Demokraten vom Januar 2015 bis Mai 2016 zuschickten, suchten die Ausschussmitglieder trotz Beteuerung ihrer Unparteilichkeit nach Wegen, den einzigen Rivalen Clintons bei den Primaries – Senator Bernie Sanders – zu diskreditieren.

 

„Die Parteiführung sollte bei der Aufstellung eines Präsidentschaftskandidaten immer unparteiisch bleiben, was beim Wahlkampfrennen in diesem Jahr nicht der Fall war“, sagte Sanders zum Rücktritt von Wassermann-Schultz. Clintons Wahlkampfmanager Robby Mook machte im CNN-Interview russische Hacker dafür verantwortlich. „Experten zufolge haben mit dem russischen Staat verbundene Personen unser System gehackt, E-Mails gestohlen und sie jetzt diesen Webseiten übergeben. Große Besorgnisse lösen die Erklärungen von Experten darüber aus, dass die Russen diese E-Mails veröffentlichen, um Donald Trump zu helfen“.

Kurz vor dem Konvent in Philadelphia, auf dem Clinton offiziell zur Präsidentschaftskandidatin der Demokraten nominiert wird, organisierten die Anhänger Sanders Kundgebungen, bei denen sie dazu aufriefen, nicht für die ehemalige Außenministerin zu stimmen.

 

Laut Wladislaw Wassiljew vom USA- und Kanada-Institut sind die Demokraten deutlich stärker gespalten als die Republikaner.

 

„Beiden Republikanern ist die Spitze gespalten – sie nimmt Trump nicht wahr, der es geschafft hat, die Volksmassen hinter sich zu sammeln. Bei den Demokraten erfolgt die Spaltung von unten, auf der Ebene der Wähler. 43 Prozent von ihnen haben ihre Stimmen bei den Primaries für Sanders abgegeben. Clinton ist für sie ein Symbol von Monopol und Wirtschaftselite, die die Interessen der einfachen Wähler nicht vertritt“, so der Experte.

 

Zudem gebe es eine ideologische Spaltung. In den letzten Jahren sei die Zahl der linken Anhänger in der Partei gestiegen (das sind vor allem junge gebildete Amerikaner). Als Clinton den konservativen Zentristen Tim Kaine zu ihrem Vize ernannte, opferte sie diese Gruppe. Sanders unterstützte Clinton, erhielt aber nichts dafür. Seine Anhänger (laut verschiedenen Umfragen sind es zehn bis 50 Prozent) könnten aus Protest für Trump stimmen.